
Zum Geleit der fünften Ausgabe des Newsletters...
Liebe Freunde des Netzwerks Kirchenreform
Das Impulspapier des Rates der EKD formulierte einen Appell für eine klare Zuordnung von Leitungs- verantwortung und eine deutliche Unterscheidung zwischen Geschäftsführung und geistlicher Aufsicht. Hierfür können sich kirchliche Institutionen Elemente einer modernen Führungskultur zunutze machen. Denn Kirche für andere können wir nur sein, wenn nicht nur gut ausgebildete, sondern auch motivierte und eigenverantwortlich arbeitende Menschen gemeinsame Ziele verfolgen.
Der
kirchliche Reformprozess „Kirche der Freiheit“ konzentriert sich bei der
Fokussierung auf gemeinsame Ziele vor allem auf drei Schwerpunkte:
Bei
diesen Reformthemen spielen zentrale Fragen der Führung und Personalentwicklung
eine besondere Rolle, ja sie
erfordern ein verändertes Verständnis der Bedeutung der Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter, ihrer Führung und Entwicklung voraus.
Das
Symposium Kirchliches Personalmanagement vom Netzwerk Kirchenreform im Rahmen
des 3. KVI-Kongresses in Mainz führte denn am 4.6. diesen Jahres auch zu einer
regen Teilnahme und Diskussion über das Thema "Wertschöpfung durch
Wertschätzung - Dichte Rückmeldung als Qualitätsmerkmal kirchlicher
Personalwirtschaft“.
Aus
einem Bereich der Wirtschaft
kommend, der nicht mechanisch-industrielles Verhalten, sondern Kreativität,
Sorgfalt, Flexibilität, Verantwortung und menschliche Kommunikationsfähigkeit
erfordert, erscheinen mir einige Erfahrungen übertragbar zu sein: Banken haben
in den letzten Jahren in Sachen Führungskultur und Personalentwicklung sehr
viel lernen müssen, sie haben ihre Personalentwicklung und -führung stark verändert,
sie unter IT-Einsatz effizienter und transparenter, damit auch berechenbarer und
flexibler gemacht. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass IT-
Personalsysteme eine große Hilfe für Führungskräfte wie Personalbetreuer
sind, um Potentiale zu entwickeln und die richtigen Menschen in der passenden
Aufgabe zur rechten Zeit einzusetzen.
Diese Veränderung sollte auch im kirchlichen Bereich Beachtung finden, Personalentwicklung und Führung könnte systematischer und über Landeskirchengrenzen hinweg abgestimmter und transparenter werden. Eine große Herausforderung der Kirche der Freiheit wird sein, auf sich verändernde gesellschaftliche Situationen mit passenden Kompetenzprofilen zu reagieren, der „Pfarrer“ oder die „Religionspädagogin“ ist out.
Damit werden deutlich höhere Anforderungen an das Management der Potentiale gestellt. Mit wechselnden Anforderungen wird es umso dringender, Erfahrungen und Potentiale innerhalb der Kirchen als auch mit Organisationen und Unternehmen, die Kirchen aufgrund ähnlicher Herausforderungen nahe stehen, auszutauschen.
Dabei erscheint es mir wichtig, einen besonderen Schwerpunkt auf die Pfarrerinnen und Pfarrer zu legen, ohne die anderen Mitarbeitenden aus dem Blick zu verlieren. Angesichts der vielfältigen Beiträge und Potentiale der ehrenamtlich Mitarbeitenden, die gerade in der evangelischen Kirche mit gestalten, sollten Ehrenamtliche in die Führung und Personalentwicklung einbezogen werden: gerade weil sie kein Gehalt beziehen, könnte Weiterbildung ein Anreiz zur größeren Verbindlichkeit ehrenamtlichen Engagements darstellen. In der EKHN gibt es bereits eine Ehrenamtsakademie, und z.B. auch die Fundraising-Akademie ermöglicht Weiterbildung für Ehrenamtliche!
Es gibt viele Ideen und gute Praxis in den Landeskirchen, wir sollten den Austausch intensivieren und klären, was erfolgreich und gemeinsam umsetzbar ist. Voraussetzung dafür ist, anzuerkennen, dass Kirche nicht mehr nur dezentral und in Eigenverantwortung stattfindet. Vielmehr benötigen unsere Kirche der Freiheit dringender denn je eine Verständigung über Formen der Führung und Personalentwicklung, den Willen zur Leitung und Führung, überzeugende Praxis und damit auch Akzeptanz. Es kommt darauf an, sich verbindlich über gemeinsame Ziele und Wege für die Menschen, die Gemeinde und die Kirche auszutauschen, nicht übereinander, sondern mehr miteinander zu sprechen und zu lernen, systematischer und offener Rückmeldung zu geben und zu abzurufen.
Ihre Marlehn Thieme
Direktorin Deutsche Bank AG
Mitglied des Rates der EKD