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Vorwort zur 5. Ausgabe

Ein Beitrag von Marlehn Thieme

  

Marlehn Thieme

Zum Geleit der fünften Ausgabe des Newsletters...

  

  

Liebe Freunde des Netzwerks Kirchenreform

  

Das Impulspapier des Rates der EKD formulierte einen Appell für eine klare Zuordnung von Leitungs- verantwortung und eine deutliche Unterscheidung zwischen Geschäftsführung und geistlicher Aufsicht. Hierfür können sich kirchliche Institutionen Elemente einer modernen Führungskultur zunutze machen. Denn Kirche für andere können wir nur sein, wenn nicht nur gut ausgebildete, sondern auch motivierte und eigenverantwortlich arbeitende Menschen gemeinsame Ziele verfolgen.

  

Der kirchliche Reformprozess „Kirche der Freiheit“ konzentriert sich bei der Fokussierung auf gemeinsame Ziele vor allem auf drei Schwerpunkte:

  • Qualitätsentwicklung, besonders in Gottesdienst und Kasualien,
  • missionarische Herausforderung und
  • Leitungs- und Führungsverantwortung. 

Bei diesen Reformthemen spielen zentrale Fragen der Führung und Personalentwicklung eine besondere Rolle, ja  sie erfordern ein verändertes Verständnis der Bedeutung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ihrer Führung und Entwicklung voraus.

  

Das Symposium Kirchliches Personalmanagement vom Netzwerk Kirchenreform im Rahmen des 3. KVI-Kongresses in Mainz führte denn am 4.6. diesen Jahres auch zu einer regen Teilnahme und Diskussion über das Thema "Wertschöpfung durch Wertschätzung - Dichte Rückmeldung als Qualitätsmerkmal kirchlicher Personalwirtschaft“.

   

Aus einem Bereich der  Wirtschaft kommend, der nicht mechanisch-industrielles Verhalten, sondern Kreativität, Sorgfalt, Flexibilität, Verantwortung und menschliche Kommunikationsfähigkeit erfordert, erscheinen mir einige Erfahrungen übertragbar zu sein: Banken haben in den letzten Jahren in Sachen Führungskultur und Personalentwicklung sehr viel lernen müssen, sie haben ihre Personalentwicklung und -führung stark verändert, sie unter IT-Einsatz effizienter und transparenter, damit auch berechenbarer und flexibler gemacht. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass IT- Personalsysteme eine große Hilfe für Führungskräfte wie Personalbetreuer sind, um Potentiale zu entwickeln und die richtigen Menschen in der passenden Aufgabe zur rechten Zeit einzusetzen.

   

Diese Veränderung sollte auch im kirchlichen Bereich Beachtung finden, Personalentwicklung und Führung könnte systematischer und über Landeskirchengrenzen hinweg abgestimmter und transparenter werden. Eine große Herausforderung der Kirche der Freiheit wird sein, auf sich verändernde gesellschaftliche Situationen mit passenden Kompetenzprofilen zu reagieren, der „Pfarrer“ oder die „Religionspädagogin“ ist out.
   
Damit werden deutlich höhere Anforderungen an das Management der Potentiale gestellt. Mit wechselnden Anforderungen wird es umso dringender, Erfahrungen und Potentiale innerhalb der Kirchen als auch mit Organisationen und Unternehmen, die Kirchen aufgrund ähnlicher Herausforderungen nahe stehen, auszutauschen.
   
Dabei erscheint es mir wichtig, einen besonderen Schwerpunkt auf die Pfarrerinnen und Pfarrer zu legen, ohne die anderen Mitarbeitenden aus dem Blick zu verlieren. Angesichts der vielfältigen Beiträge und Potentiale der ehrenamtlich Mitarbeitenden, die gerade in der evangelischen Kirche mit gestalten, sollten Ehrenamtliche in die Führung und Personalentwicklung einbezogen werden: gerade weil sie kein Gehalt beziehen, könnte Weiterbildung ein Anreiz zur größeren Verbindlichkeit ehrenamtlichen Engagements darstellen. In der EKHN gibt es bereits eine Ehrenamtsakademie, und z.B. auch die Fundraising-Akademie ermöglicht Weiterbildung für Ehrenamtliche!
   
Es gibt viele Ideen und gute Praxis in den Landeskirchen, wir sollten den Austausch intensivieren und klären, was erfolgreich und gemeinsam umsetzbar ist. Voraussetzung dafür ist, anzuerkennen, dass Kirche nicht mehr nur dezentral und in Eigenverantwortung stattfindet. Vielmehr benötigen unsere Kirche der Freiheit dringender denn je eine Verständigung über Formen der Führung und Personalentwicklung, den Willen zur Leitung und Führung, überzeugende Praxis und damit auch Akzeptanz. Es kommt darauf an, sich verbindlich über gemeinsame Ziele und Wege für die Menschen, die Gemeinde und die Kirche auszutauschen, nicht übereinander, sondern mehr miteinander zu sprechen und zu lernen, systematischer und offener Rückmeldung zu geben und zu abzurufen.

  

   

Ihre Marlehn Thieme
Direktorin Deutsche Bank AG
Mitglied des Rates der EKD