Vorwort zur 4. Ausgabe
Ein Beitrag von Klaus Heil
Zum Geleit der vierten Ausgabe des Newsletters...
Liebe Freunde des Netzwerks Kirchenreform,
Fundraising ist, die „Kunst, Gunst zu gewinnen“. [1] So kurz formuliert, steckt darin eine Menge Sprengkraft. Gewiss für eine Organisation wie Kirche, deren Kerngeschäft – so könnte man meinen – das Gewinnen, Überzeugen und Halten von Menschen ist.
Daran haben wir empirische, emotionale und prospektive Zweifel, die manchmal ins Verzweifeln an der eigenen Organisation münden. Gewiss eines der Themen, die das „Netzwerk Kirchenreform“ bewegt. Nicht nur hier finden Fundraising und alle die zusammen, die die Veränderungsprozesse in Kirche aktiv begleiten wollen.
Fundraising in Kirche ist eben nicht, nur eine griffige Maßnahme für den schnellen Euro aufzusetzen und abzuspulen. Fundraising steht grundsätzlich und als erstes dafür, Menschen mitzunehmen und zu überzeugen. In Kirche heißt das allemal, eine der Grundsäulen des Gemeindeauftrages mitzugestalten: die Verkündigung.
In diesem Newsletter machen wir das Thema bewusst so grundsätzlich auf und verstehen Fundraising als einen Beitrag zum Management von Veränderungen, als Teil von Organisationsentwicklung. Die Materialisierung von Unterstützung, das, was landläufig von Fundraising erwartet wird, die große schwarze Zahl am Ende allen Bemühens, ist nichts anderes als ein Teil des Erfolges guter Überzeugungsarbeit. Und das, was viele so kennen von Fundraising, der Spendenbrief, die Charity-Veranstaltung, sind nur wahrnehmbarer Ausdruck einer Haltung gegenüber Menschen, die wir uns erst erwerben oder der wir uns erst vergewissern müssen.
Das (eine) Schöne an Fundraising in Kirche ist allemal, dass wir hier in Deutschland, allem Gejammer zum Trotz, in unserem ökumenischen Bestand von mehr als 50 Millionen eingeschriebenen Christen reden, mit denen wir organisiert umgehen. Das ist eine echte und ernsthafte Herausforderung auf viele Jahre hinaus, und wenn wir in 20 Jahren ein paar Millionen weniger haben, sind wir immer noch mit weitem Abstand die größte NPO mit der besten Organisationsstruktur. Wir müssen nur mit allen unseren Mitgliedern reden wollen und nicht ständig kerngemeindlich orientiert Fragen beantworten, die 90% unserer eingeschriebenen Mitglieder gar nicht gestellt haben.
Das (andere) Schöne an Fundraising ist das Thema Erfolg: am Ende soll was stehen. Allen Widrigkeiten, aller Unbill zum Trotz müssen wir als Fundraiser erfolgreich sein. So stellen wir natürlicherweise Fragen nach den Erfolgskriterien und nach dem Erfolgswillen unserer Organisation – wir sind ja Teil davon, und, wenn es gut läuft, höchst wahrnehmbar. Das sorgt für Dynamik. Aber nicht um ihrer selbst willen, sondern weil wir, dem Erfolg verpflichtet, den Finger auf manche Wunde legen.
Das eine oder andere, was hier anklingt, wird Ihnen nicht fremd sein, wenn ich diesen Newsletter richtig lese. Deshalb freuen wir uns darauf, einen Beitrag leisten zu dürfen und auch künftig mit dem Thema hier vertreten zu sein. Das
fundraisingbüro ist als Agentur für kirchliches Fundraising nicht nur katholisch, sondern ökumenisch bundesweit unterwegs. Und was wir sehen und mitgestalten dürfen, macht uns Mut, im Management von Veränderung mit unserer Profession mitzutun.
Und so betreiben wir im besten Sinne Fundraising: als erfolgsorientierte Verkündigung.
Ihr Klaus Heil
fundraisingbüro
des Bistums Hildesheim
[1] Hrsg. Deutscher Fundraisingverband, Die Kunst, Gunst zu gewinnen; Festschrift 10 Jahre Deutscher Fundraisingverband, Frankfurt 2004.
Kopfbild: Tobias Zeller / www.pixelio.de
