Wenn alle Klarheiten beseitigt sind
Ein Beitrag von Oliver Schippers
Gemeindeleitung und der Mitarbeiterkreis treffen sich, um Schwerpunkte für die Gemeindearbeit im kommen- den Jahr festzulegen. Nach den Neuwahlen des Kirchengemeinderates wird es wohl zunächst um das Thema „Leitung“ gehen müssen. Das neue Team braucht Zeit, um zusammenzuwachsen und seine eigenen Schwerpunkte zu finden.
Dies scheint logisch, bis sich jemand aus der Hauskreisarbeit meldet: „Viel zu wenige Gemeindeglieder sind in Hauskreisen integriert“, stellt er fest. Kleine Gruppen als Zellen der Gemeinde sollten im kommenden Jahr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit liegen.
„Was helfen kleine Gruppen, wenn der eigentliche Mangel in der Gemeinde die fehlende Hingabe zu Gott ist“, wird entgegnet. „In immer neue Aktivitäten zu investieren führt nur zum burn out der Mitarbeiter. Ein Sabbatjahr würde der Gemeinde viel weiter helfen.“
Und schon ist man inmitten einer verwirrenden Diskussion. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es auch um Evangelisation, Gottesdienst, Finanzen, Mitarbeiterschulung und die vielen anderen Themen geht, die irgendwie alle zum Gemeindeleben gehören.
Was ist aber wirklich ein nächster wichtiger Schritt in der Gemeindearbeit? Was kann warten, selbst wenn es einigen als brennendes Thema erscheint? Jeder sieht die Not in seinem eigenen Bereich, jedoch was kann helfen, die Schwerpunkte so zu setzen, dass die ganze Gemeinde sich entwickeln kann, man sich nicht in zu vielen Aktivitäten zerreibt?
Die natürliche Gemeindeentwicklung bietet in einer solchen Situation ein Geländer, um einen Überblick über die gesamte Gemeindesituation zu bekommen und gemeinsame Ziele zu definieren.
Am Anfang stehen Prinzipien
Wie Gott einen Wachstumsprozess in jeden Organismus angelegt hat, so hat er auch Wachstumspotenzial in Seine Gemeinde gelegt. Dieses Potenzial gilt es freizusetzen. Christian A. Schwarz hat durch das Beobachten von Prozess in der Natur Prinzipien entdeckt, nach denen Gott seine Gemeinde baut (daher natürliche Gemeindeentwicklung): „Aus der Natur zu lernen bedeutet, von Gott dem Schöpfer zu lernen.... Es ist auffällig, wie häufig das Neue Testament – vor allem Jesus selbst – Gleichnisse aus der Natur und insbesondere der Landwirtschaft benutzt, um die Gesetzmäßigkeiten des Reiches Gottes zu erklären: Die Lilien auf dem Felde, die selbstwachsende Saat ...“ (aus: „Die natürliche Gemeindeentwicklung“ C&P-Verlag).
Viele dieser Prinzipien, die in der Zeit der ersten Gemeinden selbstverständlich waren, werden heute jedoch außer acht gelassen. Sie sich neu bewusst zu machen und zu verinnerlichen ist zu vergleichen mit dem Prozess, den ein Erwachsener durchlebt, wenn er wieder laufen lernen muss.
Die biotischen Prinzipien helfen beim Überlegen, WIE in der Gemeindearbeit vorzugehen ist und sollten bei jeder anstehenden Entscheidung beachtet werden: z.B. Wie können wir die
Vernetzung unter den Hauskreisen fördern?
| Strukturierte Vernetzung Nicht jede Form von Vernetzung ist gesund. Gesunde Vernetzung weißt Strukturen auf. So kann durch eine gute Vernetzung der unterschiedlichen Gemeindebereiche Mehrarbeit vermieden und Energien gebündelt werden. Letztlich ist es wichtiger, wie die einzelnen Teile miteinander in Verbindung stehen, als die Teile selbst. Und in der Gemeindearbeit ist es gefährlich, Einzelaspekte isoliert vom Großen und Ganzen zu betrachten. |
Gibt es Leiter, die wir ermutigen können, in Co-Leiter zu investieren und sich so zu
multiplizieren? Kann die geplante Baumaßnahme uns helfen, die Gemeinschaft unter den Mitarbeitern zu stärken und so die Energie
mehrfach zu nutzen?
Es ist jedoch nicht allein wichtig zu wissen, wie man vorgehen, sondern auch, in
welchem Bereich man Kraft investieren will. An dieser Stelle ist die Erhebung eines Gemeindeprofils eine Hilfe.
| Multiplikation Jede Form von organischem Wachstum stößt an Grenzen. Und die wahre Frucht eines Apfelbaums ist nicht der Apfel, sondern ein neuer Apfelbaum. Die Multiplikation von Gemeinden wird erfreulicherweise immer mehr ein Thema in unserem Land. |
| Mehrfachnutzen Die Natur kennt keinen Abfall. Viele Gemeinden habe ich während eines missionarischen Projektes begleitet. Und immer wieder bekam ich in der Auswertung zu hören: „Selbst wenn niemand zu Jesus und in die Gemeinde gefunden hätte (was nicht der Fall war), so hat uns dieses Projekt als Gemeinde eine neue Einheit geschenkt.“ |
In einer Forschungsstudie des Instituts für natürliche Gemeindeentwicklung wurden acht Bereiche (Qualitätsmerkmale) entdeckt, in denen sich wachsende von nichtwachsenden Gemeinden unterscheiden (ausführlich beschrieben im „1x1 der Gemeindeentwicklung“ bzw. „Die natürliche Gemeindeentwicklung“).
Gemeinden wachsen in Qualität und Quantität wenn sie in diesen acht Bereichen bewusst oder unbewusst die biotischen Prinzipen leben. Inzwischen kann jede Gemeinde die Qualität für sich darstellen lassen, wie „stark“ sie in jedem dieser Bereiche ist. Ein solch objektives Gemeindeprofil hilft, „blinde Flecken“ aufzudecken und einen Konsens unter den Mitarbeitern zu schaffen, welche Schwerpunkte in der Gemeindearbeit zu setzen sind. Durch die Art, wie das Gemeindeprofil erhoben wird (Befragung einer repräsentativen Personenzahl) werden die Ansichten der Einzelnen relativiert und in ein Gesamtbild der Gemeinde eingefügt.
Beantworten also die biotischen Prinzipen die Frage, WIE in der Gemeindearbeit vorzugehen ist, so hilft die „Messung“ der acht Qualitätsmerkmale aufzudecken, WAS zu tun ist bzw. in welchem Bereich Schwerpunkte in der Gemeindearbeit zu setzen sind.
| Bevollmächtigende Gemeindeleitung | Der Gemeindeleitung in wachsenden Gemeinden gelingt es durch eine partnerschaftliche und beziehungsorientierte Art, die Mitarbeiter zu bevollmächtigen: Sie für das Erreichen der Gemeindevision zu motivieren und zuzurüsten. |
| Gabenorientierte Mitarbeiterschaft | Nach acht Auflagen „Der Gabentest“ und der ersten Auflage „Die 3 Farben deiner Gaben“ haben wohl alle verstanden, dass Aufgaben von Mitarbeitern ausgeführt werden sollen, die dafür auch die notwendigen Gaben haben. Aber mit „Gabenorientierter Mitarbeiterschaft“ ist mehr gemeint: Hier geht es darum, dass jedes Glied am Leib Jesu ganz spezielle Gaben hat – und in der Gemeinde vielleicht der passende Dienst noch erfunden werden muss. |
| Leidenschaftliche Spiritualität | In diesem Bereich fällt nicht nur die Begeisterung über die Gemeinde, sondern auch ob Zeiten des Gebets eine inspirierende Erfahrung sind. Wie ist es um die Hingabe an Gott bestellt? Oder ist es vielleicht sogar das gemeindliche Programm, was von der Hauptsache abhält? |
| Zweckmäßige Strukturen | Vieles in unseren Gemeinden hat sich in im Laufe von Jahrhunderten entwickelt – der ist einfach so geblieben. Aber dient dies auch immer noch der Gemeindeentwicklung? Die Struktur eines Bauwerkes muss Bewegung ermöglichen – sonst gibt es Risse und irgendwann stürzt es ein. Die Struktur von Gemeinde muss ermöglichen, dass Gemeinde Ereignis wird: in der Beziehung der Gemeindeglieder zu Gott, in der Beziehung untereinander und in der Beziehung zum Umfeld der Gemeinde! |
| Inspirierender Gottesdienst |
Die
Liebe Gottes miteinander feiern, Lehre die mit dem Leben zu tun hat,
Musik, die hilft, Gott anzubeten ... |
| Ganzheitliche Kleingruppen | Gemeinsam Beten, über Probleme reden, das Leben teilen ... Ganzheitliche Kleingruppe kann der Hauskreis, die Jugendgruppe, aber auch die Bibelstunde sein. Es ist der Ort, wo Gemeinschaft gelebt wird, aber auch Gaben entdeckt werden und man sich geistlich gegenseitig tragen kann. |
| Bedürfnisorientierte Evangelisation | Es gibt in unserem Land viele gute evangelistische Programme. Das entscheidende ist jedoch, knüpft das, was die Gemeinde tut, bei den Bedürfnissen derjenigen an, die sie erreichen möchte. Und so wird man schnell merken, wenn eine Gemeinde alle erreichen möchte, wird sie kaum jemanden erreichen. Aber eine Gemeinde, die sich in liebevoller Art und Weise einer bestimmten Gruppe von Menschen annimmt, wird wahrscheinlich eher die Herzen von Menschen gewinnen. |
| Liebevolle Beziehungen | Vereinfacht ausgedrückt: Wachsende Gemeinden erkennt man am Kaffeeverbrauch. Hier verbringt man mehr Zeit einfach nur so miteinander. Aber in wachsenden Gemeinden hat man auch gelernt, Konflikte offensiv anzugehen und miteinander Probleme zu lösen. |
Ein möglicher (Aus)-Weg
Oft entscheiden sich Gemeinden in der oben beschriebenen Situation für die Erhebung eines Gemeindeprofils. Im „Messen“ der acht Qualitätsmerkmale wird deutlich werden, wo Stärken und Schwächen liegen. Auf diese Weise entsteht ein umfassendes Bild, um dann auf dieser Basis Prioritäten für die weitere Arbeit zu setzen. In diesem ganzen Prozess sollte man sich vornehmen zu beten, auf Gott zu hören und von Ihm zu erwarten, dass Er zeigt, was die Dinge sind, die er segnet. Die natürliche Gemeindeentwicklung ist in diesem Prozess kein „Wegweiser“, der Gottes Handeln ersetzt, aber eine „Landkarte“, die einer Ortsbestimmung dient.
Wenn Sie entdeckt haben, dass die Inhalte der natürlichen Gemeindeentwicklung in ihrer Situation hilfreich sein können, gibt es viele Möglichkeiten, in diesen Prozess einzusteigen:
- Arbeiten Sie als Gemeindeleitung das Buch „Die natürliche Gemeindeentwicklung“ miteinander durch
- Laden Sie sich einen Gemeindeberater ein, um während eines Gemeinde- oder Mitarbeiterabends eine Einführung in die natürliche Gemeindeentwicklung zu bekommen
- Beraten Sie als Gemeindeleitung, ob sie sich für ein Gemeindeprofil entscheiden
- Oft ist das Hinzuziehen eines ortsfremden Mitarbeiters eine Hilfe, da er nicht der auch in vielen Gemeinden existierenden „Betriebsblindheit“ erlegen ist.
Natürliche Gemeindeentwicklung
Was ist natürliche Gemeindeentwicklung?
10 Jahre Forschungsarbeit, davon drei Jahre in über 1000 Gemeinden auf allen fünf Kontinenten, lassen keine andere Schlussfolgerung zu: Gemeindewachstum geschieht anders, als bisher vermutet wurde. In diesem Buch zieht Christian A. Schwarz die praktischen Konsequenzen aus der neusten Studie zum Gemeindeaufbau: Natürliche Gemeindeentwicklung.
„Farbe bekennen“ ist eine neue, grundlegende Einführung in die Welt der „Natürlichen Gemeindeentwicklung“. Das Buch beschreibt verblüffende Ergebnisse aus Tausenden von Gemeinden rund um den Globus und zeigt jeder Christin und jedem Christen, wie sich die biblischen Prinzipien, die hinter der natürlichen Gemeindeentwicklung stehen, im eigenen Leben umsetzen lassen.
Hier wird anschaulich gezeigt, wie die Prinzipien der NGE in der Arbeit Ihrer eigenen Gemeinde zur Geltung kommen können. Dem Buch liegt kein vorgefertigtes Gemeindemodell zugrunde, das es zu imitieren gelte; vielmehr bietet es praktische Hilfe, wie das Potential, das Gott bereits in jede Gemeinde gelegt hat, freigesetzt werden kann: "Die Praxis der natürlichen Gemeindeentwicklung".
Dieses 1x1 der natürlichen Gemeindeentwicklung enthält kein Gemeindeaufbau-Fach-Chinesisch - Christian A. Schwarz hat es geschafft, in kurzer und prägnanter Form alles so darzustellen, dass jeder christliche Leser spürt, wie sehr ihn dieses Thema angeht. Die wichtigsten Gemeindewachstums-Prinzipien, von denen sich nachweisen lässt, dass sie für jede Art von Gemeindeaufbau rund um den Globus gelten: Das 1x1 der Gemeindeentwicklung.
Kopfbild: Kongress Wachsende Kirche







