
Am jüngsten Tag, spät am Abend
So lautete das Tagungsmotto der Jahrestagung des Netzwerks Kirchenreform vom 12.-13. September 2008 im Evangelischen Zentrum Zinzendorfhaus in Neudietendorf unter der Schirmherrschaft von Landesbischof Dr. Christoph Kähler. Nach einer Präsentation zum aktuellen Stand des EKD-Reformprozesses standen zunächst exemplarischen Darstellung von Kooperations- und Fusionserfahrungen im Mittelpunkt der Tagung. Unter der Leitfrage nach dem Umgang mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden in Kooperations- und Fusionsprozessen wurden Erfahrungen „von der Föderation zur Fusion“ in Mitteldeutschland und Eindrücke „auf dem Weg zur Nordkirche“ von Pfarrer Wegner-Braun (Nordelbien) und Kirchenrat Fuhrmann (EKM) vorgestellt. Den Austausch ergänzte der ehemalige Dekan von Heidelberg, Dr. Steffen Bauer, mit Erfahrungen aus der Arbeitsebene übergemeindlicher Kooperationen.
Passend zum Thema präsentierten die Herausgeber Stefan Bölts und Prof. Dr. Wolfgang Nethöfel auch die jüngste Veröffentlichung des Reformnetzwerks:
„Aufbruch in die Region – Kirchenreform zwischen Zwangsfusion und profilierter
Nachbarschaft“ lautet der Titel des inzwischen dritten Buches in der Reihe „Netzwerk Kirche“, dass pünktlich zur Netzwerktagung im September diesen Jahres im EB-Verlag Hamburg erschienen ist. Über 40 Autorinnen und Autoren unter der Fragestellung „Was würde ich anderen mit auf den Weg geben?“ ihre Erfahrungen aus Regionalisierungsprojekten vorgestellt.
Der Austausch und die Auswertung von Reformerfahrungen standen auch in diesem Jahr wieder auf der Agenda des Reformnetzwerks. Das „Miteinander aufbrechen“ wird auch Inhalt und Thema in dem nächsten Sammelband sein, dessen Grundkonzeption auf dem Autorentreffen in Neudietendorf behandelt und diskutiert worden ist. In diesem neuen Buchprojekt werden u.a. auch die Impulsreferate der diesjährigen Tagung als Beiträge aufgearbeitet und abgedruckt werden.
Trotz der in diesem Jahr deutlich geringeren Teilnehmendenzahl zeigten sich die Beteiligten im Feedback sehr zufrieden, weil auch die kleinere Arbeitsgruppenatmosphäre den Austausch begünstigt habe. Zudem waren bei der diesjährigen Tagung auch viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum ersten Mal auf einer Netzwerktagung und unterstrichen die wertvollen Austauschmöglichkeiten, um Impulse und Idee für die eigenen Arbeit zu gewinnen. So wurde auch in der Feedbackrunden betont, dass es noch zuwenig Foren gibt, wo sich Menschen innerhalb einer Landeskirche oder zwischen den Landeskirchen austauschen, und. Auch zwischen den Kirchenleitungen gäbe es kaum solche Foren und keinen Austausch, der über „Höfflichkeitsbesuche“ hinausgehe.
Dennoch sieht der Koordinationskreis aber auch noch große Herausforderungen für die eigene Netzwerkarbeit. Im Sinne der ökumenischen Zielsetzung des Netzwerks sei es nun auch vorrangiges Ziel, verstärkt Projekterfahrungen aus dem Bereich der röm.-kath. Kirche und anderer Konfessionen einzubinden. Zudem wurde die Idee eines Beirats vorgestellt, um sowohl die Unterstützung als auch die Ideenfindung für Tagungsthemen etc. auf mehrere Schultern zu verteilen und somit auch noch mehr Impulse aus den rund 200 Engagierten und Interessenten im Netzwerk zusammenzutragen. In einzelnen Arbeitsbereichen wie der Online-Plattform
(www.kirchenreform.de) oder dem monatlichen Newsletter „Kirche bewegen“ sind wir schon auf einem guten Weg. Inzwischen ist der feste Abonnentenkreis auf über 700 Interessenten gestiegen. Andere Newsletterverteiler im weltweiten Web erreichen natürlich ganz andere Dimensionen, aber in unsere Relationen gedacht bedeutet dies auch: Das sind doppelt so viele Interessenten als Teilnehmer beim ersten EKD-Zukunftskongress in Wittenberg dabei waren. Dies zeigt, dass die Themen rund um Gemeindeberatung, Fundraising und Kirchenmanagement immer mehr von Interesse sind – insbesondere auch bei ehrenamtlichen wie hauptamtlichen Mitarbeitenden vor Ort – und das die Diskussion um die „Kirche der Freiheit“ oder andere Reformenprozesse keineswegs gänzlich überholt und vorbei sind, wie einige Kritiker behaupten. Gleichzeitig sind aber immer noch zu wenig Beteiligungsmöglichkeiten für die Kirchenbasis installiert und der EKD-Prozess versucht sich noch immer als „topdown-Bewegung“ durchzusetzen, was bei der Präsentation am ersten Abend durch einen Vertreter des EKD-Projektbüros noch mal deutlich vor Augen geführt worden war.
Neben einem kurzem Rückblick über verschiedene Projektbeteiligungen und zurückliegender Tagungen wurden in einer erweiterten Sitzung des Koordinationskreises am Wochenende ausstehende Projektideen vorgestellt und in gemeinsamer Runde auch Themen- und Referentenvorschläge für die nächsten Netzwerktagungen ausgetauscht und gesammelt. Die nächste Tagung wird im Rahmen des 4. KVI-Kongress (Kirche, Verwaltung, Informationstechnologie) vom 8.-9. Juni in Mainz stattfinden und die nächste Herbsttagung ist für den 18.-19. September 2009 im Kontext eines Gemeindekongresses in Wiesbaden geplant.
Nach sieben Jahren Netzwerkarbeit bot sich am Wochenende auch die Möglichkeit, die eigene Arbeit zu reflektieren und neu auszurichten. Daher sind wir von Seiten des Koordinationskreises, der sich voraussichtlich auch noch erweitern wird, für die Rückmeldungen und auch konstruktiven Anregungen sehr dankbar. Hier sind einige Statements von Tagungsteilnehmenden im O-Ton, die wir für die weitere Arbeit gerne aufnehmen und berücksichtigen werden:
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Erfahrungsaustausch
zwischen den Landeskirchen organisieren, weil viele nicht über den
Horizont ihrer eigenen Landeskirche hinausschauen können Austausch
und Dominoeffekt: Neue Leute und neue Themen kennen lernen, Impulse für
die eigenen Arbeit mitnehmen. Neugierde,
was wo anders läuft. Mit eigenen Erfahrungen spiegeln. Je
mehr Begegnung möglich ist, um so mehr kann man mitkriegen und Mehrwert
gewinnen. Gemeinsame
Lern- und Erkenntnisprozesse im Netzwerk, die es so auf anderen Tagungen
gar nicht gibt Austausch
im Netzwerk ist sehr bereichernd, vor allem wenn Menschen aus
verschiedenen Kontexten zusammenkommen, um sich über ein Thema
auszutauschen und so unterschiedliche Perspektiven einbringen Seismographisch
feststellen: Was tut sich, was kommt? Kirchenreform als Suchbewegung. Netzwerktagung
als „Laboratorium“ und Ideenbörse. Im Projektbüro sitzt man häufig
alleine. Es
macht auch Spaß, sich als Mensch aus der Praxis hier einzubringen und mit
Akademikern auszutauschen. Das
Netzwerk sollte sein, was sie sind, und nicht was anderes sein wollen, das
Netzwerk - so wie es da ist - ist sehr wichtig!
Verzahnung
zwischen Praxis und Theorie. Es sollten noch mehr „Praktiker“ her, die
Reformprozesse an der Basis schon erlitten haben. Das
Thema hat die Tagung hat Auswirkungen auf die Teilnehmendenzahl bzw.
Zielgruppe und umgekehrt. Es
müssen nicht bestimmte Funktionsträger am Tisch sitzen, es ist
eigentlich egal wer im Kreis sitzt. Wenn gute Fachleute referieren und
Impulse setzen, kann man mit allen sehr gut ins Gespräch kommen. Innerer
Motor und Katalysator innerhalb der Kirchen – dann brauchen wir
Multiplikatoren Nicht
nur Theologen, sondern auch andere Disziplinen noch mehr einbinden. EKD-Amts-Perspektiven
sind für fast jedes Thema eher langweilend. Spannend wäre es, auch die
Perspektiven von außen an den Tisch zu holen. BestPractice
im Internet und BestPractice auf Tagungen sind unterschiedlich Die
Menschen ansprechen, denen Veränderungen schwer fallen. Hier die
Bandbreite von BurnOut bis Coaching.
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