Strategische Personalentwicklung
Kirchenmanagement im Aufbruch
von Marco Bambach
Enorme Kirchensteuerausfälle sind für die nächsten
Jahre vorhergesagt; die staatlichen Zuschussmodelle für Kirche und Soziales
versiegen; die Mitglieder der Kirchen und Kunden der kirchlichen
Sozialorganisationen entwickeln ein immer höheres Anspruchsdenken - zunehmende
Säkularisierung in fast allen Lebensbereichen und veränderte Normen und Werte
der Menschen wirken auf Kirche und Religiosität ein; fehlende Mitarbeiter und
Nachwuchsmangel werden sich aufgrund der nun kommenden geburtenschwachen Jahrgänge
extrem verschärfen.
Wie soll sich die Arbeitgeberin Kirche und ihre angegliederten caritativen und
diakonischen Einrichtungen diesen Herausforderungen stellen? Personalentwicklung
ist das neue Zauberwort für strategische Unternehmensführung in der Kirche.
Das württembergische Kirchenparlament - die Evangelische Landessynode - hat auf
ihrer Tagung vom 25. November 2002 Personalentwicklung gesetzlich
festgeschrieben. Was steckt dahinter und wie wichtig sind unsere Mitarbeiter?
„Der richtige Mitarbeiter, zur richtigen Zeit, mit der richtigen Motivation,
am richtigen Platz.“ Diese alte personalpolitische Binsenweisheit behält als
Messlatte für erfolgreiches Personalmanagement auch für kirchliche
Organisationen nach wie vor ihre Gültigkeit. Personalentwicklung ist ein
motivierender, permanenter Wachstumsprozess, eine systematische Pflege der
fachlichen und menschlichen Qualitäten im Einklang der Wünsche, Bedürfnisse,
Anforderungen und Vorstellungen des Mitarbeiters und des Unternehmens.
Personalentwicklungsziele aus Sicht des Unternehmens können sein:
- Sicherung des notwendigen Bestands an Fach- und Führungskräften,
- Anpassung der Qualifikation der Mitarbeiter an veränderte Gegebenheiten,
- Erhöhung der Bereitschaft, Änderungen zu verstehen oder herbeizuführen,
- Vermittlung von Schlüsselqualifikationen,
- Vorbereitung auf höherwertige Tätigkeiten.
Als pauschales Ziel sieht der Mitarbeiter die Personalentwicklung als ein
Instrument, seine Erwartungen und Wünsche auf persönliche Entfaltung und
berufliches Weiterkommen zu befriedigen. Nachfolgend eine exemplarische Aufzählung
möglicher Einzelziele:
- Anpassung der persönlichen Qualifikation an die Ansprüche des Arbeitsplatzes,
- Persönlichkeitsentwicklung und -bildung,
- Erschließung und Vervollständigung bisher ungenutzter persönlicher Fähigkeiten,
- Grundlage für den beruflichen Aufstieg,
- größere Chance der Selbstverwirklichung am Arbeitsplatz durch Übernahme anspruchsvoller Aufgaben.
Die Herausforderung für kirchliche und soziale
Unternehmen ist es, sowohl die Maßstäbe der freigewerblichen Wirtschaft, als
auch die Besonderheiten einer kirchlich-sozialen Einrichtung zu berücksichtigen.
Auf der einen Seite stehen der selbstlose Dienst am Nächsten, auf der anderen
Seite die Anforderungen an ein modernes Dienstleistungsunternehmen im
Wettbewerb. Wohin soll der Weg gehen? Welchen Weg gehen die Mitarbeiter mit?
Ziel ist es, zukunftsweisende Managementmodelle, Wirtschaftlichkeit, Effektivität
und Effizienz in die Identifikation mit den christlichen Grundwerten
einzubetten. Die Personalentwicklung liefert eine professionelle Unterstützung,
um dem Lern- und Veränderungsprozessen im Unternehmen zu begegnen.
Die Werte der Menschen haben sich geändert und ebenso die Einstellungen der
Menschen zur Arbeit. Herausfordernde Aufgaben, eigene Selbstentfaltung und
menschliche Beziehungen gewinnen für den Mitarbeiter an Wert. Die Aufgabe des
Unternehmens liegt nun darin, sich den veränderten Bedingungen zu stellen und
die Unternehmens- und Mitarbeiterziele zu überdenken, um motivierte und
leistungsstarke Mitarbeiter für den kirchlichen und sozialen Dienst zu gewinnen
und dauerhaft zu halten. Zusammenfassend gesagt, bestehen also steigende Ansprüche
an die Qualität der Arbeitsplätze.
Der erfolgreiche Diplomvolkswirt Stoffer beschreibt in seinem Buch Sozialmanagement
2000 sehr treffend den Um- und Einstieg in ein neues Management und in ein
verändertes Führungsverhalten, um den Wandel mit seinen Herausforderungen zu
begegnen: „Wundern Sie sich nicht, dass Sie keine Spuren hinterlassen, wenn
Sie nur ausgetretenen Pfaden folgen“. Führungskräfte sind keine Personen,
die verborgen hinter ihrem Schreibtisch sitzen; sie sind Begleiter, die sich
stets hilfsbereit am „Spielfeldrand“ bewegen und Probleme und Ansichten
ihrer Mitarbeiter kennen und für sie da sind.
Der Autor Marco Bambach ist seit Juli 2006 Geschäftsführer der
Caritas-Einrichtungen gGmbH in Würzburg und bereitet 15 Caritas-Einrichtungen mit mehr als 900 Mitarbeitern für die zukünftigen
Herausforderungen im Pflegebereich vor. Er wurde 1971 in Bad Kissingen geboren und verfügt über 15 Jahre Erfahrung bei der Caritas. Sein Weg führte ihn vom Zivildienstleistenden bis zum Geschäftsführer. Bambach war Verwaltungsleiter, Vorstandsmitglied im Kreisverband Bad Kissingen, Projektleiter für Organisationsentwicklung,
Referatsleiter „Wirtschaftliche Beratung“ in Würzburg und Leiter zweier Senioren-Einrichtungen.
In nebenberuflichen Studien und Weiterqualifizierungen erarbeitete er sich sein Sozialmanagement- und Wirtschaftswissen. Bambach ist zertifizierter Qualitätsmanager, Sozialmanager, Heimleiter und Betriebswirt. Der Jungmanager, der im Handelsblatt „Karriere des Jahres 2007“-Ranking zu den Top 25 Nachwuchsführungskräften Deutschlands gehörte, hat einen VWA- und einen Bachelor-Abschluss. Mit der vorliegenden Arbeit erlangte er 2005 den Master of Business Administration (MBA) mit
Bestnote an der Steinbeis-Hochschule Berlin.
Marco Bambach ist von der Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“ zu den 25
Topmanagern für die Karriere des Jahres gewählt worden. Der 36-Jährige ist dabei der einzige Mitarbeiter, der im Non-Profit-Bereich arbeitet. Innerhalb von 15 Jahren schaffte es der Bad Kissinger vom Zivildienstleitenden zum
Geschäftsführer. Sein rascher Aufstieg, der berufliche Erfolge, das vorbildliche Führungsverhalten und sein verantwortliches Handeln waren die Kriterien, welche die Verantwortlichen der Zeitung überzeugten.
In seiner Bachelor-Arbeit beschäftigte sich Bambach mit dem Thema „Personalentwicklung“. Darauf aufbauend in seiner Master-Arbeit mit dem „Diversity-Management Ansatz“. Die Studie ist im
Steinbeis-Edition Verlag erschienen:
Diversity Management
– Unsichtbare Potenziale fördern.
ISBN: 978-3-938062-65-4
Linktipp:
Steinbeis-Hochschule Berlin
Steinbeis-Business-Academy
www.steinbeis-academy.de
Kontakt:
info@marco-bambach.de
www.marco-bambach.de
Foto: Ludger Heuer (Caritas) / katholisch.de
Quelle: Forum Kirche und Management / katholisch.de
Kopfbild: Rainer Sturm / www.pixelio.de





