Spiritualität im Management

Spirituelle Kompetenz im kirchlichen Management

  

Markus Classen

von Markus Classen
 

  
Spirituelle Kompetenz als Fähigkeit, mit der Dimension Spiritualität umgehen zu können, stellt kirchliche Einrichtungen und Träger vor eine besondere Herausforderung. Praktizierte Spiritualität auf der persönlichen und der Team- und Organisationsebene sollen gemäß dem eigenen Anspruch von Kirche ein besonderer „Baustein“ in Leitbild und Kultur einer Kirchengemeinde, eines Bistums oder eines kirchlichen Krankenhauses darstellen.
 
Kann man diese Dimension des Miteinanders der Menschen in den Organisationen gezielt fördern? Und was kann die allgemeine Managementlehre hierzu an Wissen und Erfahrungen mitbringen? Zunächst einmal gilt: auch Werte wie Ehrlichkeit, Vertrauen und Konfliktfähigkeit entspringen einer Tiefe des Menschen, die nur schwer steuerbar oder gezielt entwickelbar ist – und dies schon gar nicht von außen. Schon wer an sich selbst diese Eigenschaften weiter ausprägen will, ist gut beschäftigt.
Werte im Miteinander zu entwickeln und zu verankern, ist Anliegen jeder Kultur- und Leitbildentwicklung. Daraus ergibt sich, dass man bei der Frage nach Spiritueller Kompetenz durchaus von den Erfahrungen der Leitbild- und Kulturdiskussion lernen kann.
 
Hier werden grundsätzlich zwei Positionen unterschieden: Die Kulturalisten sind der Auffassung, die kulturelle Dimension in einem Unternehmen verhalte sich wie eine Amöbe, habe also eine flüssige Gestalt, die sich in alle Richtungen fließend und nicht steuerbar entwickeln kann. Im Gegensatz dazu sehen die Kulturingenieure die Unternehmenskultur wie eine Art Gerüst oder Überbau, an dem man mit entsprechenden Instrumenten schrauben und weiterbauen könne. Die Wirklichkeit liegt wohl zwischen diesen beiden Positionen: die Kultur kann nicht direkt gesteuert werden, man braucht aber auch nicht die Hände in den Schoß zu legen, weil nichts erreichbar ist. Gezielte und behutsame, prozessorientierte und auf Freiwilligkeit der Beteiligten beruhende Maßnahmen können durchaus helfen, die spirituelle Dimension in einem Team oder einer Organisation (weiter) zu entwickeln.

  

Coachingbüro Markus Classen

Wie könnte dies aussehen?

    
Spiritualität betrifft einen unsichtbaren Raum zuerst im Menschen selbst, aber auch in der Begegnung zwischen Menschen. In diesem Raum wird Gott als die Weite, die Größe und der Atem des Lebens erfahrbar. Eine Erfahrung, die sehr wohl erlebbar, aber kaum beschreibbar ist. Deshalb soll hier auch auf eine konkrete Definition von Spiritualität und spiritueller Kompetenz verzichtet werden.
   
Was ist dafür förderlich?

  
Förderlich für das Erleben dieses unsichtbaren Raumes ist z.B. ein realer Raum, der durch entsprechende Gestaltung die Rahmenbedingungen für Spirituelles Erleben fördern kann. Ein Raum mit ansprechender Farbgestaltung, Mobiliar und Beleuchtung, der zum Innehalten, zum Gebet oder zum Dialog in anderer Atmosphäre als der des Büros einladen soll.
Des weiteren können Riten eine große Rolle spielen, so z.B. die Vereinbarung von Gebet oder Meditation in den geprägten Zeiten oder zu bestimmten Anlässen.

  

Wichtig dabei ist, an den konkreten Erfahrungen der konkreten Menschen anzusetzen. Dabei können folgende Leitfragen helfen:

  • Wo nehme ich in meinem Team bereits spirituelle Kompetenz wahr?
  • In welchen Zusammenhängen habe ich die Spiritualität meiner Mitarbeiter erfahren?
  • Was, wie und wo genau ist es gewesen (Räume, Anlass,…)?
  • Was brauche ich als Teamleiter oder Teammitglied, um meine Spiritualität wahrnehmen und mitteilen zu können?
     
Markus Classen - Management- und Bildungsberater für Kirchengemeinden und Bistümer

Wer sich als Führungskraft darüber klarer wird, kann diese Elemente gezielt für sich umsetzen, um die eigene Spiritualität zur Geltung zu bringen, bzw. die Mitarbeiter daraufhin ansprechen, wie die Rahmenbedingungen für mehr spirituelles Erleben im Team aussehen könnten.
Hier ist natürlich viel Fingerspitzengefühl und Behutsamkeit gefragt. Es gilt die Regel: nur was ich mir für mich vorstellen kann, darf ich auch von meinem Mitarbeiter erwarten. Wer sich selbst nicht traut, authentisch und real seine Spiritualität ins Team einzubringen, wird bei der Forderung bei anderen danach nur Widerstand erzeugen. Vielmehr könnte das eigene Vorbild zum „Nachahmen“ bzw. Mittun anregen.

 

Ausgehend von dem, was an spirituellen Riten und Räumen bereits erlebbar und lebbar ist, kann ein Team in einer Atmosphäre des Vertrauens und der Offenheit weitere Schritte zu mehr Spiritualität im Team definieren und beschreiten. Diese in gemeinsamen Grundsätzen oder einem kleinen Leitbild münden zu lassen, kann die Verbindlichkeit aber auch die Freude über das Erreichte erhöhen.

  

Coachingbüro Sinn meets Management

Dieser Beitrag wurde zur Verfügung gestellt aus dem Forum Kirche und Management von Markus Classen (Coachingbüro Sinn meets Management).

  

Der Autor Markus Classen arbeitet als Management- und Bildungsberater für Kirchengemeinden und Bistümer, er ist Herausgeber des Forums für Kirche und Management und Mitglied im Netzwerk Beratung für Kirchenentwicklung (NBFK). Der in Logotherapie und Existenzanalyse qualifizierte Diplom-Kaufmann ist Coach der Wirtschaft (IHK), Moderator (Moderatio®) und TMS® -Trainer; Mitglied im Trainerverband KAL und Kompetenz Netzwerk der CA Coaching Akademie.

  

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Coachingbüro Sinn meets Management: www.csmm.de