Netzwerk Kirchenreform - Wednesday, 17. March 2010
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„Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb“

Spendenkultur - eine Predigt von Joachim Dettmann

  

Joachim Dettmann

„... einen fröhlichen Geber hat Gott lieb“.

   
So steht es im 2. Korinther-Brief in Vers 9,7. Hier geht es um eine Geldsammlung der Paulinischen Missionsgemeinden für die Gemeinde in Jerusalem.
In dem Brief schreibt Paulus: „Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeder gebe, wie er sich in seinem Herzen vorgenommen hat: nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“
Gott möchte, dass wir Freude haben am Spenden. Über das Spenden hinweg soll eine freundschaftliche Beziehung zwischen Menschen gestiftet werden.
Ganz im Sinne von Paulus lautet eine moderne Definition von Fundraising: Fundraising ist die „Lehre von der Freude am Spenden“. Im Fundraising geht es darum, Menschen zu einer direkten Handlung, nämlich zum Spenden, zu bewegen. Dabei wollen wir nicht verführen. Das Spenden soll ja Freude bereiten, es soll Gemeinschaft stiften, Solidarität, Verantwortung und Identität bekunden, und nicht zuletzt auch Not lindern. Alles in allem: „Teilen mehrt das Leben.“ [1]

   

Im Fundraising heißt es auch: Mit Geld kann man Gutes tun, mit viel Geld kann man viel Gutes tun. Dieses Motto darf aber nicht zum Missbrauch führen. Ich will Ihnen ein Beispiel nennen, ein Beispiel aus der Kirche:
Im frühen Mittelalter sind etwa 8 Prozent der Erbschaften an die Kirche gegangen. Später dann, im 13. Jahrhundert erfand die Kirche das Fegefeuer und danach gingen 80 Prozent der Erbschaften an die Kirche. [2]

   

Ein anderes Beispiel für Missbrauch ist der Handel mit Ablassbriefen im späten Mittelalter. Dieser führte dann zum Protest Luthers und zur Reformation. Noch heute gilt der „schnöde Mammon“ bei vielen „Protestanten“ als anrüchig. „Über Geld redet man nicht, Geld hat man“, sagt der Volksmund.
Doch die Kirche hat zunehmend weniger Geld. Das Kirchensteueraufkommen nimmt weiterhin ab wie auch die Anzahl der Kirchenmitglieder.
Hier kann Fundraising förderlich sein. Die Beziehungsfähigkeit und Autonomie der Kirche zu bewahren und zu fördern – das ist das Anliegen von Fundraising. Fundraising ist in erster Linie Umgang mit Menschen. Denn es verbindet die Gefühlswelt und die Wünsche der Spender und Mitglieder mit der Vision und den Zielen der Organisation. Was kann in einer solchen Beziehung wichtiger sein als Freude und Vertrauen?
Lassen Sie mich an drei Beispielen erläutern, wie die Kirche die Freude am Spenden wecken und fördern kann. Meine Vision ist eine neue Kultur des Gebens und Schenkens.

   

1.) Danke für die Kirchensteuer!

Wissen Sie, wie viele Menschen Ihrer Gemeinde weder am Sonntagsgottesdienst noch an den Alltagsaktivitäten teilnehmen, aber dennoch regelmäßig Kirchensteuer bezahlen? Haben Sie sich bei denen schon einmal bedankt? Bitte bedenken Sie: Die Kirchensteuer ist eine Spende! Die Kirche und ihre Gemeinden vor Ort sind Treuhänder von freiwilligen Mitgliedsbeiträgen, die im
Auftrag der Kirche (kostengünstig) über die Finanzämter eingezogen werden. 
Selbst die Finanzämter behandeln die Kirchensteuer als abzugsfähige Spende. Wer keine Kirchensteuer mehr zahlen möchte, der kann sich dem – im Gegensatz zu echten Steuern – einfach durch Austritt entledigen.
Danken Sie also jedem Kirchensteuerzahler für seine oftmals nicht eben geringe Kirchensteuer-Spende. Denn: Spender und also auch Kirchensteuerzahler erwarten – zu Recht – einen Dank! Dies ist ein offenes Geheimnis in der „Lehre von der Freude am Spenden“.

   

2.) Transparenz und Offenheit

Wer Spenden will, der muss nicht nur sagen, wofür er sie benötigt, sondern muss deutlich machen, warum er sie benötigt. Es ist erforderlich offen zu legen, wie sich der Haushalt aufbaut und weshalb bestimmte Aufgaben nicht anders zu finanzieren sind als durch Spenden. Hierfür langt es nicht, einmal im Jahr in einem womöglich wenig besuchten Gottesdienst kurz abzukündigen, dass der Haushalt der Gemeinde jetzt zwei Wochen lang vormittags in der Küsterei zur Einsicht ausliegt. Denn:

Ohnehin können die Gemeindemitglieder den Haushalt kaum verstehen. Selbst ich, der ich Gemeindekirchenrat bin, aber kein Buchhalter: auch ich fürchte das unergründliche Zahlenwerk.
Transparenz heißt zum Beispiel: Den Haushalt in der Gemeindezeitung attraktiv und verständlich darstellen.
Die Menschen in der Gemeinde sollten konkret wissen:

Denn nur wer wirklich versteht, wie (schlecht) es um die Finanzen steht, der ist im Bedarfsfall auch gerne bereit, (zusätzlich zur Kirchensteuer) zu spenden.

  

3.) Den Wandel gestalten

Es setzt sich die Erkenntnis durch, dass die nachlassenden Kirchensteuern und Mitgliederzahlen nicht alleine durch Fusionen und Sparmaßnahmen zu kompensieren sind.
Um zu überleben, sind nicht nur Schlankheitskuren vonnöten, sondern auch und vor allem eine strategische Ausrichtung mit unternehmerischem Ansatz. Dies ist erforderlich, weil die Kirche und ihre Gemeinden vor Ort längst nicht mehr eine Monopolstellung haben auf dem Markt der Sinn-Anbieter.
Wer erfolgreich Spenden akquirieren will, der muss bereit und in der Lage sein, andere Spendenorganisationen zu verdrängen. Der Spendenmarkt ist längst ein Verdrängungswettbewerb. Hier konkurrieren mit immer mehr Anbieter in den Bereichen Sinnstiftung und Menschlichkeit, Verantwortung und Gemeinschaft. Marktanalyse, klare Positionierung, professionelles Fundraising: Was manchem Philanthropen aufstoßen mag, dient letztlich – so der Bogen nicht überspannt wird – der guten Sache.
Unsere „Kirche muss vor Ort sein, mit Innovations-Centern der Marke Evangelisch“. [3]

    

Und das bedeutet auch Marktforschung: Wer sind die Spender? Was wollen die Spender? Warum unterstützen sie uns (nicht)? Wie ist das Bild der Gemeinde in der Öffentlichkeit? Und so weiter.
Wer leben will, der unterliegt einem ständigen Wandel.
Wer überleben will, der sollte den Wandel mitgestalten und produktiv nutzen.

   
Anders gesagt:
Wenn der Wind des Wandels weht,
bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen. [4]

   
Amen.
   

[1] Pfr. Dr. Wolfgang Gern, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau. Zitiert in: Fuchs, Kai G.: Die goldenen Jahre der Kirchen sind vorbei. Fundraising aktuell, 3/2003.

[2] Nach Richard Radcliffe. In: Der Tagesspiegel vom 26. April 2004.

[3] Jörg Bollmann, Geschäftsführer des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik (GEP). Vortrag am 04.05.2004 auf der Jahrestagung Öffentlichkeitsarbeit in der Evangelischen Akademie Iserlohn.

[4] Alte chinesische Weisheit. (Autor unbekannt).

 

Diese Predigt wurde von Joachim Dettmann am Sonntag, den 16. Mai 2004, im Focus-Gottesdienst der Luisen-Kirche in Berlin-Charlottenburg gehalten.

  

Joachim Dettmann ist ausgebildeter Nonprofit-Manager (Univ. Witten-Herdecke) mit dem Schwerpunkt Fundraising. Er ist Berater & Trainer für Fundraising und Organisationsentwicklung insbesondere für die Bereiche Diakonie, Caritas, Kirche und Gemeinde. Zudem ist er Gemeindeberater in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sowie Lehrbeauftragter für Fundraising und Marketing an der Evangelische Fachhochschule Berlin und der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Berlin. Joachim Dettmann ist Mitglied im Deutschen Verband für Coaching und Training sowie Mitglied im Deutschen Fundraising-Verband.

  

Bild: www.fundraising-dettmann.de 

Quelle: www.spenden-beratung.de