
Ein Statement von Friedrich Rössner auf dem Kongress "Gemeinde im Aufbruch"
„Gemeinde im Aufbruch. Missionarische Gemeindeentwicklung zwischen (Zweit)Gottesdienst, Glaubenskurs und Hauskreis“ – so lautete der Titel eines Kongresses vom Amt für Gemeindedienst in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, der vom 1. bis zum 3. Mai 2008 in Neuendettelsau stattfand und zum Aufbruch ermutigte.
Wie erreicht der Glaube die Menschen? Diese Frage, die Gemeinden schon immer bewegte. In der Vergangenheit wurde sie besonders im Blick auf Kinder und Jugendliche gestellt. In Schule und Familie sollte der Glaube vermittelt und angeeignet werden. Martin Luther schenkte uns mit seinem kleinen Katechismus dafür einen wichtigen geschichtlichen Schatz. Das erlebte und gelebte Kirchenjahr bildete dabei die Erinnerungsschleife.
Die wesentlichen Aspekte christlichen Glaubens wurden so vertieft. Soviel zur Geschichte. Nun bemerken immer mehr Gemeinden und ihre Verantwortlichen: So einfach geht das nicht mehr (wenn es jemals einfach ging).
Darum – wie gestaltet sich Glaubensvermittlung und Glaubensaneignung im 21. Jahrhundert?
In einer Zeit, in der Traditionen ihre Wirkmacht verlieren;
in einer Zeit, in der sich immer Menschen „religiös unmusikalisch“ (Habermas) empfinden;
in einer Zeit, in der aber auch eine deutliche Sehnsucht nach Spiritualität und Transzendenz spürbar ist.
So entstehen im zweiten Drittel des letzten Jahrhunderts die ersten Glaubenskurse für Erwachsene. Sie stellen den Versuch dar, auf die „Tradierungskrise des Glaubens“ (M. Weth) zu reagieren.
Glaubenskurse, oder auch manchmal Grundkurse des Glaubens, zeichnen sich heute durch drei Aspekte aus:
In der Zwischenzeit gibt es eine Vielzahl von Modellen und Konzeptionen. Diese unterschiedlichen Glaubenskurse nehmen verschiedene Schwerpunktsetzungen vor. Während der katechetische Aspekt nahezu überall wichtig ist, legen manche Kurse den Schwerpunkt mehr auf die missionarischen Perspektive, andere auf den Bildungsaspekt. Mit dem sog. Glaubenskursfinder haben wir den Versuch unternommen, eine Orientierungshilfe im Dschungel der Glaubenskurse an zu bieten.
All diesen Kursen ist jedoch gemeinsam, dass sie eine wesentliche Erkenntnis aufgreifen, wie heute Menschen Christen werden: Für die meisten Menschen unserer Zeit entwickelt sich der Glaube als ein schrittweiser Prozess. John Finney, ein anglikanischer Bischof, formuliert das so: „Evangelisation ist ebenso ein sozialer Prozess wie eine geistliche Reise. Wir schließen ebenso Freundschaft mit Menschen wie mit Gott.“
Glaubenskurse
sind auch eine Erscheinungsform der „ehrenamtlichen Beteiligungskirche“, wie
wir sie mit dem zweiten Dreieck zu beschreiben versuchten. Das heißt:
Glaubenskurse brauchen zur Vorbereitung und Durchführung ein Team. Der
Leitgedanke dieser Teamarbeit wird von Burkhard Krause einmal so beschrieben:
„Nicht Ehrenamtliche helfen Hauptamtlichen bei der Bewältigung ihrer
Aufgaben, sondern Hauptamtliche helfen Ehrenamtlichen zur Mündigkeit eines
selbst verantworteten Gemeindelebens.“[1]
Gemeinden,
die so mit Glaubenskursen arbeiten erleben: Es kann gelingen, Erwachsene (und
darunter nicht selten Distanzierte, Konfessionslose und Nichtgetaufte) mit dem
Glauben zu erreichen. Martin Weth drückt diese Erfahrung wissenschaftlich
korrekt so aus: „Die weite Verbreitung und hohe Resonanz der verschiedenen
Glaubensseminare in den vergangenen Jahren zeigen, dass elementarisierte
Bildungsangebote in dialogisch aufgebauten Veranstaltungen ein erstaunliches
evangelistisches Potential entfalten.“[2]
Das besagt nichts anderes als: „wenn man´s gut macht und ein paar
grundlegende Dinge beachtet, funktioniert’s“!
Es
ist darum wohl auch davon aus zu gehen, dass Glaubenskurse zu einem
Standartangebot religiöser Bildung in unseren Gemeinden werden. Innerhalb der
EKD sind hier bereits erste Suchbewegungen spürbar. Durch den Kurscharakter
dieser Angebote und das Vorhandensein von erprobten Modellen bleibt dabei der
Arbeitsaufwand in der Regel in einem überschaubaren Rahmen. Aber leider können
wir im Moment nicht sagen, wie viele Gemeinden bereits punktuell oder
kontinuierlich mit Glaubenskursen arbeiten. Es gibt noch keine Möglichkeit,
hierzu sichere Daten zu erheben. Hilfreich wäre es, wenn die Frage nach
Glaubenskurse in die landeskirchliche Statistik kirchlichen Lebens aufgenommen
werden würde.
Glaubensangebote, die einen Anfang und auch ein definiertes Ende haben wie es Glaubenskurse sind, sind für suchende Menschen auch darum attraktiv, weil sie die Möglichkeit des „Abspringens“ erlauben. Etwas, was nicht wenige am Ende eines Kurses dann aber überhaupt nicht mehr wollen. Häufig wird da vielmehr die Frage gestellt: „Wie geht es jetzt weiter?“ Arbeitsintensiv werden Glaubenskurse darum häufig erst nach dem Glaubenskurs.
Das sollte einem allerdings schon bewusst sein, bevor man mit Glaubenskursen beginnt.
Der Autor: Friedrich Rössner ist Diakon und Referent für Evangelisation im Amt für Gemeindedienst in Nürnberg: www.afg-elkb.de
Der Glaubenskursfinder: Mit dieser CD-Rom erhalten Sie ein virtuelles Beratungsangebot, das Ihnen helfen soll, den richtigen Kurs für Ihre Gemeindesituation und Ihren theologisch pädagogischen Hintergrund zu finden. Daneben finden Sie eine Kursübersicht über die derzeit auf dem Markt befindlichen Kurse, Hintergrundinformationen und Praxistipps zum Einsatz von Glaubenskursen und eine Bücherliste mit Begleitlektüre. Ein Angebot vom Amt für Gemeindedienst in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern:
www.glaubenskursfinder.de
[1] Burghard Krause, „Phantasie für eine Kirchengestalt der Zukunft“, in: Hartmut Bärend / Ulrich Laepple (Hg.), Dein ist die Kraft. Für eine wachsende Kirche. Dokumentation zum 4. AMD Kongress, Leipzig 2007, S. 141.
[2] Martin Werth, Theologie der Evangelisation, Neukirchen-Vluyn 2004, S. 313