Netzwerk Kirchenreform - Thursday, 11. March 2010
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Thesen von Wolfgang Nethöfel in "Gemeinde leiten" 1/2008

  

Prof. Dr. Wolfgang Nethöfel

  

  

Gemeinde leiten: Das scheint gegenwärtig eine besonders schwierige Aufgabe zu sein. Klimawandel und Globalisierung sind unabweisbare Zukunftsthemen genauso wie unsere überalterte Gesellschaft in einem Einwanderungsland. Inmitten einer prinzipiell zum Engagement bereiten Zivilgesellschaft, in der Religion boomt, muss heute schon in den Medien um die Akzeptanz des Christentums gerungen werden. Zu diesen Herausforderungen für die Gemeinden kommt nun auch noch das Kirchenreformthema "Regionalisierung".

  

Können und sollen die Gemeinden jetzt auch noch Verantwortung für das Ganze übernehmen, sich in der Region orientieren, funktionale Dienste einbinden? Es ist schon mühsam genug, den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten. Bereits dafür werden Kontakte im Nahbereich sorgsam gepflegt und wirksam genutzt. Das ist gut so - aber es geht um mehr.
Gemeinden, Aktionsgruppen und funktionale Dienste sowie Kirchenleitende im Haupt- und Ehrenamt müssen deutlicher als bisher zeigen, wer sie im Unterschied zu anderen sind. Dabei kann man voneinander lernen. Ein Zwischenergebnis der bisherigen Reformanstrengungen zeichnet sich bereits ab. Das Erfolgsrezept heißt: regionalisierte Profilierung. Was daraus folgt, ist im Grunde ein kirchliches Erneuerungsprogramm. Seine fünf Elemente eignen sich übrigens auch als Raster für eine Bestandsaufnahme der Gemeindearbeit.

  

Erstens: Konzentration auf die Mitte! 

Gott liebt uns so wie wir sind. Diese frohe Botschaft ist jetzt und hier weiterzugeben. Die ganze Gemeindearbeit steht im Dienst solcher Erlebnisse, solcher Gespräche. Wir schulden uns selbst und einander wertschätzende dichte Rückmeldung, wenn und sobald dies gelingt.

  

Zweitens: Konzentration auf die Ränder! 

Liebevolle, helfende Aufmerksamkeit auf die anderen ist eine weitere Kraftquelle unserer Arbeit. Was wir dort erfahren, sollte der wichtigste Gegenstand unserer Sitzungen sein. Das ist die gute Weise, in der wir uns mit uns selbst beschäftigen können. Das muss nicht dem Zufall überlassen bleiben: Begegnungen und Gespräche mit EItern, Kindern, Passanten, Besuchern und Besuchsreisen zu anderen, die es anders machen, lassen sich organisieren.

  

Drittens: Konzentration auf profilierende Ziele! 

Wenn wir unsere Arbeit neu auf unsere Zielgruppen ausrichten, erneuern wir uns wie von selbst. Unsere bisherige Arbeit, wie auch die der anderen bleibt wertvoll und kostbar. Und zugleich ist sie der Hintergrund, vor dem wir uns nun selbst neue Ziele setzen: "realistisch ehrgeizig".

  

Viertens: Konzentration aufs Netz! 

Wir lenken den Blick auf die anderen in ihren Beziehungen. Das ist auf dem Land anders als in der Stadt, aber niemals enden diese Beziehungsnetze an den Grenzen einer Ortsgemeinde. Über diese Beziehungsnetze und an diesen entlang prägt sich wie von selbst das Profil unserer Gemeindearbeit aus. Ist uns das bewusst, dann weitet sich unser Blick und schärft zugleich den für unsere Zielgruppen. Für sie können wir alte Verbindungen lösen und neue knüpfen: In der unbeirrbaren Konzentration auf die, die uns brauchen, sind wir im Zweifel radikal und revolutionär uns selbst gegenüber, wir verzichten auf das, was wir immer schon gemacht haben, wenn es von anderen und anders besser organisiert werden kann.

  

Fünftens: Konzentration auf Vernetzungen! 

Unser Profil bewahren wir gegenüber bestehenden kirchlichen Strukturen, indem wir uns als Gemeinden, die so ihr besonderes Profil in der Region gewonnen haben, untereinander vernetzen, auch über weite Entfernungen hinweg. Wir tauschen Informationen aus, besuchen uns, lernen voneinander, helfen und bestärken uns.

  

  

So profilieren sich Gemeinden, so wird Kirche im Ganzen erkennbar für andere.

  

Kopfbild: Sarah C. / www.pixelio.de