Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Bischof Dr. Wolfgang Huber hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) als „einen der Motoren der EKD und ihres Reformprozesses“ bezeichnet. Um sich über aktuelle Themen und Aktivitäten in der EKHN zu informieren, besuchte Huber am Donnerstag die Kirchenleitung, die in Darmstadt zusammen mit dem Leitenden Geistlichen Amt tagte.
Kirchenpräsident Dr. Peter Steinacker erläuterte
die zum Karfreitag erschienene Stellungnahme des Leitenden Geistlichen Amts zum
Verständnis des Todes Jesu (Opfer- theologie). Sie habe große Aufmerk- samkeit und
Zustimmung gefunden und werde wegen der großen Nachfrage ständig nachgedruckt.
Steinacker nannte weiterhin die Überarbeitung der Lebensordnung, die den Rahmen
für klassisches kirchliches Handeln wie Taufe und Abendmahl, Trauung und
Bestattung beschreibe, sowie die Überarbeitung der Kirchenordnung, die von der
Synode Ende April beraten werde.
Im Rückblick auf ihr 60jähriges Jubiläum im Oktober 2007 beschrieb Steinacker
die EKHN als „quirlige Kirche, die man nicht in einen Sack stecken kann“.
Sie habe aber zu „einer Einheit verschiedener Regionen gefunden“. Deren
Entwicklung sei davon geprägt, dass sich das Rhein-Main-Gebiet ständig weiter
ausdehne und aus immer entfernteren Gebieten Pendler anziehe. Diese
Lebenssituation habe leider negative Wirkungen auf die Kirche. Etliche Pendler
verlören den Kontakt zur ihrer Kirche, da die Einheit von Wohnort und
Arbeitsort zerbreche.
Ökumenische Stimmen
Einig waren sich Kirchenleitung und Huber in der kritischen Einschätzung der Situation des Ökumenischen Rates der Kirchen, dessen Potential als weltweite Stimme der Christenheit weiter gestärkt werden müsse. In Europa brächten derzeit insbesondere die Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa (GEKE) wirkungsvoll die evangelische und die Konferenz der Europäischen Kirchen (KEK) die ökumenische Stimme zur Geltung.
Huber betonte, dass die EKD weiterhin eigenständig evangelische Positionen in die öffentlichen Debatten einbringen werde. Die EKD habe die Kontakte zwischen evangelischer Kirche und Kultur intensiviert. Auch darin wurde deutlich, wie Steinacker anmerkte, dass die EKD und die EKHN ähnliche Entwicklungen durchlaufen. Auch die EKHN strebe eine stärkere Vernetzung zwischen Kirche, Kultur und Gesellschaft an. Dem dienten zum Beispiel die EKHN Stiftung und dieses Ziel stehe hinter der Strukturreform.
Dekade der Reform und Reformation
Ausführlich wurden die Reformbestrebungen in EKD und EKHN erörtert. Die Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten Cordelia Kopsch erläuterte den Prozess der Perspektive 2025, mit dem die EKHN die Zukunft aktiv gestalten will.
Huber erläuterte die Absicht der EKD, die mit
ihrem Zukunftskongress in Wittenberg begonnene Aufbruchbewegung intensiv
fortsetzen zu wollen. Nächster Schritt sei die Zukunftswerkstatt vom 24.-26.
September 2009 in Kassel. Zur Koordination und Weiterentwicklung des
Reformprozesses habe die EKD vor einigen Wochen ein mit vier Personen besetztes
Reformbüro eingerichtet, das die Aktivitäten koordinieren und mit den
Landeskirchen vernetzen werde. Auch eine Person aus der EKHN arbeitet dort mit.
Zudem werde mit dem Reformationstag 2008 die bundesweite Lutherdekade eröffnet.
Sie findet ihren Zielpunkt im Jahr des 500jährigen Jubiläums der Reformation
im Jahr 2017.
Den Reformprozess der EKHN würdigte Huber als „die Kirche in der EKD mit dem längsten Atem in der Reformgeschichte“.
Meldung und Bild: Pfr. Stephan Krebs (EKHN)