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Zwischen den Kirchentagen: Zeit zur Besinnung?

  

Prof. Dr. Wolfgang Nethöfel

von Prof. Dr. Wolfgang Nethöfel

 

 

Nach dem Kirchentag ist vor dem Kirchentag. Ökumenische Kirchentage stressen diejenigen, die gern und immer wieder an Kirchentagen teilnehmen oder Kirchentage organisieren, ganz unabhängig von Erlebnissen und Ergebnissen. Die Nachwirkungen überschatten die Vorbereitungen der nächsten Veranstaltungen. Das macht viele dünnhäutig, die jetzt (schon wieder) kooperieren müssen. Vielleicht ist gerade das ein guter Anlass, Routinen zu überdenken.
Als einer der Sprecher des Netzwerks Kirchenreform fällt mir auf, wie widersprüchlich wir selbst mit unserer eigenen Organisationsrealität umgehen. Als Anwälte der Reformbereiten in den Kirchen sind wir Dialogpartner, aber auch kritisches Gegenüber derjenigen, die mit kirchlichen Reformmaßnahmen beauftragt sind. Wir sind stolz auf unseren eigenen niedrigen Organisationsgrad – gleichzeitig agieren wir allerdings wie Lobbyvertreter, wenn wir das Thema „Kirchenreform“ im Rahmen von Kirchentagsvorbereitungen vertreten: möglichst effektiv, möglichst durchsetzungsstark, ja institutionspolitisch. Wir machen Absprachen, organisieren Mehrheiten und Bündnisse.
Sicher hat uns das zugleich erfolgreich gemacht und der Sache gedient, als wir gemeinsam mit anderen in Hannover, Köln, Bremen und München unserem Thema eine breite Kommunikationsplattform geben konnten: erst in einer „Werkstatt“, dann im „Zentrum Gemeinde“, schließlich auf einzelnen Veranstaltungen. Aber um welchen Preis? Statt auf unsere Themen: auf das Was, konzentrieren wir uns jetzt auf das Wie, und das absorbiert zunehmend unsere Kräfte. Es droht uns selbst zu institutionalisieren.
Unser Netzwerk verknüpft Kirchenbasis und Kirchenleitung, Theorie und Praxis, liberale und konservative Reformerinnen und Reformer; wir sind interdisziplinär und ökumenisch, präsent in Basisbewegungen wie in der Beraterszene. Das war immer schon ebenso spannend wie aufregend. Jetzt müssen wir über interne Reformen nachdenken, um zugleich wirksam und glaubwürdig agieren zu können.
Dieser Prozess macht uns aber auch hellsichtig für unser institutionelles Gegenüber. Wo der Kirchentag uns als institutionalisierte Basisbewegung zu Recht darauf aufmerksam macht, dass es keinen Proporz, keine Stammplätze und keine ein für alle Mal feststehende Formate auf Kirchentagen gibt, da nehmen wir jetzt bei unserem Gegenüber alle Züge einer alt gewordenen „Partei der institutionalisierten Revolution“ war: gut geölte Kommunikationswege, auf denen institutionspolitische Botschaften zu Strukturentscheidungen werden, großes Einverständnis darüber, was und wer passt, Angst vor unerwarteten Basisbotschaften auf großen Bühnen.
Plötzlich sehen wir uns als Netzwerk, das nicht von unten nach oben, sondern quer zu den Institutionen agiert, um das Thema „Kirchenreform“ voranzubringen, gemeinsam mit Basisgruppen angesprochen, denen es vor allem um Partizipation geht und die darauf gehofft hatten, mit dem Format „Forum“ den Kirchentag zum Ort wirksamer Vernetzung zu machen. Für beides sei gut gesorgt. Das laufe gut so, wenn es so laufe wie immer. Das macht uns nachdenklich. Und das sollte auch die Organisatoren evangelischer Kirchentage nachdenklich machen. „Kirchentage von unten“ werden dann attraktiv, wenn die institutionalisierten Kontakte Außenkontakte abreißen lassen, und Formen und Inhalte sich gemeinsam andere Orte suchen müssen.

 

Magazin Kirchenreform Ausgabe 2/2010

Magazin Kirchenreform Ausgabe 2/2010 - Die neue Ausgabe unseres Online-Magazins steht wieder in zwei Varianten zum Download zur Verfügung. In dieser Ausgabe u.a. die Themen Gemeinwesendiakonie, katholische Kirchenreform, 15 Jahre "Wir sind Kirche", Kirchentage, EKD-Plattform geistreich, aktuelle Buchbesprechungen: Kirche bewegen - Ausgabe 2 / 2010

 
 

Magazin Ausgabe 2/2010 als kleines PDF-Dokument (Bildschirmauflösung):

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KircheBewegen_2010_2_I.pdf

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Magazin Ausgabe 2/2010 als großes PDF-Dokument (Druckauflösung):

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KircheBewegen_2010_2_D.pdf

7.5 M

 

 

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