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Andacht von Kerstin Dede

Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. (Jos 1,5b )

 

Kerstin Dede

 

 

40 Jahre Wüstenwanderung – eine schwere Zeit ist überstanden. Jetzt soll etwas Neues beginnen und Josua bekommt den Auftrag, den Neubeginn zu organisieren und zwar mit allen und für alle, die mit ihm gewandert sind. Allerdings ist dieser Neubeginn mit einschneidenden Veränderungen verbunden und nicht einfach zu bewältigen. Wenn man 40 Jahre Erfahrungen in der Wüste gemacht hat, dann sind die Wüstenbedingungen das Vertraute, die Gesetze der Wüste bekannt, das Zusammenleben unter diesen Bedingungen geregelt. Viele der Menschen, die bisher von Mose geführt wurden, haben nichts anderes kennen gelernt, sind unter der Wüstensonne aufgewachsen.

Zwar haben sie oft gemurrt und immer wieder darauf gewartet, bessere Bedingungen vorzufinden, aber sie haben sich arrangiert. Immerhin haben sie viele Wunder in der Wüste erlebt. Und einen guten Führer hatten sie auch.

 

Doch Mose ist gestorben. Er konnte noch einen Blick in das gelobte Land werfen. Sein Volk wird er nicht mehr dorthin führen, wo nach der Verheißung Milch und Honig fließen sollen. Die Leitung unter den neuen Bedingungen muss jetzt ein anderer übernehmen. Der hat keine Erfahrungen damit. Kann das gut gehen?

 

Nun lagert es dort, das gesamte Volk, am Übergang zwischen Wüste und dem fremden grünen Land und muss sich einer neuen Führung anvertrauen. Ich sehe sie vor mir mit ihren Kamelen und Ziegen, mit ihren Zelten und allem Gepäck, Kinder, Männer und Frauen. Noch lagern sie dort. Betrauern sie den Tod Moses? Fürchten sie sich? Oder freuen sie sich auf das neue zugesagte Land? Wie stellen sie sich ihre Zukunft vor? Was wird die künftige Situation bringen? Die Kinder werden den Geschichten der Alten lauschen, wie sie durch Gottes Hilfe der Sklaverei Ägyptens entfliehen konnten; dass Gott sie behütet hat auf allen ihren Wegen. Und nun liegt es vor ihnen, das gelobte Land. Wieder hat sich eine Verheißung Gottes erfüllt. Träume und Visionen der Vergangenheit sind greifbar nah und real geworden. Sie stehen an einer Schwelle von dem vertrauten Vergangenen in das fremde Neue. Sie nehmen Abschied von der Vergangenheit um möglicherweise unsicher aber mutig auf das Neue, das Verheißene und Unbekannte zuzugehen. Vielleicht feiern sie ein Fest, tanzen, essen und trinken und danken und loben Gott. Sie vergewissern sich, dass dieser Gott es gut mit ihnen meint.

 

Mit ihnen feiert Josua, ihr neuer Anführer. Josua hört den Zuspruch Gottes: „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“  Josua hat keine Wahl. Er muss die Aufgabe übernehmen und das Volk in diese fremde Situation in das vor ihnen liegende Land hineinführen. Gott spricht sehr eindringlich auf Josua ein. Schließlich mit den Worten: „Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seiest. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.“ (Jos. 1,9) Fast übergangslos nach dieser Ermutigung beginnt Josua mit der Arbeit. Wer das Buch zu Ende liest hat vielleicht, ähnlich wie ich, den Eindruck, dass hier ein vollständig durchdachter Plan ausgeführt wird, absolut diszipliniert, strategisch und orientiert an dem Ziel, dass dieses Land ihre Zukunft ist.

 

Josua bleibt im Verlauf seines ganzen Lebens offen für die Anweisungen und das Wort Gottes. Am Ende hat er seine Aufgaben erfüllt und stirbt in hohem Alter. Das Volk Israel hat eine vollständige Umstrukturierung erlebt von der Sklaverei in Ägypten über die Zeit als Wandervolk in der Wüste zu einem Staat mit festgelegten Grenzen, eingeteilte Regionen für die einzelnen Stämme, der Einführung eines Landtages, der Verpflichtung auf das Wort Gottes und seine Gesetze.

 

Dieses Wort aus dem Buch Josua „Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht“ kann uns Unterstützung sein, um die zukünftigen Anforderungen und die massiven Veränderungsprozesse, denen wir uns ausgesetzt sehen, zu bewältigen.

   

Die Einspardiskussion in unserer Kirche hat vieles in Bewegung gebracht. Dass gespart werden muss leuchtet den meisten ein. Aber wohin wird sich unsere Kirche bewegen, wie wird sie sich zukünftig gestalten und vor allem: wird nicht vieles fallen gelassen werden müssen? Werden sich nicht viele verlassen fühlen? Wir brauchen die Vergewisserung, dass Gott es gut mit uns meint, das tiefe Vertrauen und den Blick nach vorn.

 

 

Kerstin Dede

 

Die Autorin Diakonin dipl.rel.päd. Kerstin Dede ist Arbeitswissenschaftlerin und Beauftragte für Diakone und Diakoninnen im Haus kirchlicher Dienste der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers (www.kirchliche-dienste.de; www.diakon-in- hannover.de), Kirchenvorsteherin der Ev.-luth. Gerhard-Uhlhorn Kirchengemeinde in Hannover Linden-Nord und Mitglied der 24. Landessynode der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers.

 

Kopfbild: sassi2812 / www.pixelio.de