
von Jan Janssen
Dieser Vortrag wurde nach einem von der Wahlkommission vorgegeben Thema im Rahmen der Bewerbung um das Bischofsamt am 22. Mai 2008 vor der 47. Synode der Ev.-luth. Kirche in Oldenburg auf ihrer ersten Tagung in Rastede gehalten.
Einleitung
Die Frage der Gestaltung unserer evangelischen Kirche bewegt sich um zwei Pole: Der eine – Fit für die Zukunft?! – atmet Modernität und Elan. Ganze Branchen leben
von Visionen oder Fiktionen von Fitness: Kuren und Diäten, Therapien und Trainings.
Aber wovon reden wir, wenn wir Zukunft sagen? Ist das eher 2012 oder 2030? Wie steht es um 2017, also 500 Jahre Reformation? Geht es bei Jahreszahlen um
Prognosen oder um Prophetie? Also frage ich: Was meint Fitness wirklich? Und wann
beginnt das: die Zukunft?
Den anderen Pol – Vom Schätzesammeln und Sorgen – setzt die Luther-Bibel über
Mt 6,19. Diese alte Sprache pflegt Tradition, Kirchengebäude, Lieder, Predigten sind
voll davon. Verträgt aber unser Alltag die Kraft solcher Poesie? Also möchte ich
fragen: Welche Schätze sind das und was soll man mit ihnen tun? Und: Sorgen? Dürfen wir das nicht? Oder sollen wir das gerade?
Drei Bemerkungen möchte ich noch voranstellen:
Die im Titel verborgene Aufgabe von der Kirche der Zukunft kann nur eine gemeinsame sein. Kein Amt, keine Gemeinde, keine Landeskirche wird sinnvoll allein
in die Zukunft gehen. Nur in gemeinsamer Verantwortung für die Kirche lässt sich
auch das Amt des Bischofs gestalten. Es geht um unsere Kirche – nicht im Sinne
eines besitzanzeigenden Pronomens, daher genauer – um unsere Kirche in der
Nachfolge Jesu Christi. Daran werden wir alle durch Wort und Sakrament, durch den
Geist, einmalig durch die Taufe und immer wieder durch das Abendmahl beteiligt. Und es geht um unsere
Kirche in Oldenburg, in ihren geographischen und geschichtlichen, aktuellen und menschlichen Gegebenheiten.
Wer über die Kirche der Zukunft nachdenkt, nimmt wahr, wer mitdenkt und mittut. Da
sehe ich nicht nur das EKD- Reformpapier Kirche der Freiheit oder seine Vorgänger,
die Christsein gestalten wollten in der Fremde, in der Heimat, in der
Kirche. Auch hier in Oldenburg wurde viel erarbeitet – vom Gelben zum Grünen Papier bis zu nüchternweißen
Strukturreformen. Ich lese sie mit großem Respekt. Ihre Potentiale werden erst langsam deutlich. Aber sie treten nun in die Phase praktischer Umsetzung und
konkreten Handelns, damit wir wieder etwas weniger um uns selbst kreisen, damit wir
neu und tatkräftig dem Auftrag für die uns anvertrauten Menschen gerecht werden.
Und das wohl wichtigste Vorzeichen: Die Kirche der Zukunft wird genau jetzt, in diesem Moment Wirklichkeit: in jeder Konfirmandengruppe, die sich an diesem Donnerstagnachmittag zwischen Damme und Dedesdorf trifft, bei jedem Hausbesuch und jeder Gottesdienstvorbereitung – nicht nur, aber vor allem für Kinder! Ganz zu schweigen von all dem gegenwärtigen Tun in Kirchenbüros und in Friedhofshallen. Jede Begegnung, jedes Gespräch, jeden Handgriff heute halte ich für ein Stück lebendige Kirche, das zu einem tragfähigen Baustein für ihre Zukunft werden kann.
Lassen Sie mich daher im Folgenden skizzieren, was Beiträge des Bischofsamtes im
Zusammenspiel der Kräfte in der oldenburgischen Kirche sein könnten. Zunächst sehe ich das biblische Zitat im Thema nicht als schmückendes Beiwerk,
sondern als den grundlegenden Auftrag. So sieht es unsere Kirchenordnung für das
Bischofsamt vor (Art.107.1): Verkündigung und Seelsorge als erster Pfarrer – mit
diesen beiden Instrumenten will ich auch jetzt vorgehen:
1. Biblische Verkündigung
2. Seelsorgerliche Schatzsuche
Dann sehe ich als das in den Blick genommene Ziel den Alltag unserer Kirche – auch
den des Bischofs im Hirten- und Wächteramt (Art.107.2):
3. Fitness für Leib und Körperschaft
4. Im Vertrauen auf Gott heute handeln
WEITERLESEN:
Der vollständige Vortrag steht Ihnen hier als PDF-Dokument zum Download bereit:
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89 K |
Ein Vortrag von Kirchentagspastor Jan Janssen vom 22. Mai 2008 vor der Synode der Ev.-luth. Kirche in Oldenburg.
Der Autor Jan Janssen ist seit 2002 Pastor beim Deutschen Evangelischen Kirchentag mit Sitz in Fulda. Er studierte in Münster, Bern und Göttingen Theologie und war von 1992 bis 1994 Vikar in Oldenburg. Danach war er zwei Jahre Pfarrer in Wiefelstede bei Oldenburg. Beim Kirchentag in Leipzig war er 1996 und 1997 Abteilungsleiter für Projekte. Anschließend übernahm Janssen eine Pfarrstelle an der Wilhelmshavener Christus- und Garnisonkirche. Am 23. Mai 2008 wurde Kirchentagspastor Jan Janssen zum neuen Bischof der Ev.-luth. Kirche in Oldenburg gewählt und wird am 29. September 2008 in sein neues Amt eingeführt.
Bild: AL / Kirche Köln