Die Seele der Dörfer bewahren
Über die Zukunft der Kirche auf dem Land
Dieses Interview ist am 30. Juni 2008 erschienen in:
DER
SONNTAG. Wochenzeitung für die
Ev.-luth. Landeskirche Sachsens.
Die Kirche bleibt im ländlichen Raum. Dafür steht die Heimvolkshochschule Kohren-Sahlis – Evangelisches Zentrum Ländlicher Raum. Über die Zukunft der Kirche auf dem Land sprach Stefan Seidel mit dem Direktor Heiko Franke.
Seidel: Herr Dr. Franke, immer
mehr Menschen ziehen weg vom Land, der Arbeit hinterher. Arztpraxen und Läden
schließen. Wie steht es um die Kirche im ländlichen Raum?
Franke: Auf den ersten Blick ist es so, dass auch die Kirche
geht. Pfarrämter schließen, Pfarrerstellen werden eingespart. Andererseits ist
die evangelische Kirche noch flächendeckend mit gut ausgebildeten Mitarbeitern
präsent. Wir versuchen, den ländlichen Raum keinesfalls aufzugeben. Denn die
Mehrzahl der Kirchenglieder lebt hier.
Seidel: Die Kirche bleibt also im
Dorf, trotz allem?
Franke: Ja, das ist für die Menschen in den Dörfern ganz wichtig, dass
es ein Stück Kontinuität gibt. Wir können die ökonomischen und
demografischen Entwicklungen nicht aufhalten. Aber wir können uns dafür
einsetzen, dass die Dörfer trotz allem ihre Seele nicht verlieren. Dafür ist
zum Beispiel die Kirchenerhaltung wichtig. Das Aufgeben von Kirchen kann nicht gänzlich
ausgeschlossen werden, sollte aber die allerletzte Möglichkeit sein. Es geht um
Traditionsbewahrung und -fortschreibung, um Heimat und Identität.
Seidel: Wie kann der Überlastung
von Pfarrern in immer größer werdenden Zuständigkeitsgebieten entgegengewirkt
werden?
Franke: Hier denke ich in erster Linie an die Mitarbeit
Ehrenamtlicher, die keine Notlösung darstellt, sondern eine Bereicherung, auf
die wir viel zu lange verzichtet haben. Deshalb ist es eine der Aufgaben in
Kohren-Sahlis, Lektoren, Kirchenkuratoren und Kirchner auszubilden.
Seidel: Was sagen Sie zu der
These: »Die Zukunft der Kirche liegt in der Stadt«?
Franke: Es ist falsch, solche Alternativen zwischen Stadt und
Land aufzumachen. Kirche ist da, wo Menschen leben. Und auch auf dem Land leben
Menschen, die nicht nur betreut werden möchten, sondern sich einbringen. Auch
in der Politik setzt man nicht mehr länger nur auf »Leuchttürme«, also die
Ballungszentren. Als Kirche sollten wir solche Einseitigkeiten erst recht
vermeiden.
Seidel: Was bewegt Sie zum Jubiläum
Ihrer Einrichtung?
Franke: Ich bin stolz und dankbar, dass es das Haus seit zehn
Jahren gibt und wir uns als ein offener kirchlicher Ort in einer geistlich
ausgedünnten Region etabliert haben. Wir möchten uns weiter den Themen widmen,
die Kirche und ländlichen Raum verbinden.
Dr. Heiko Franke ist Direktor der Evangelischen Heimvolkshochschule Kohren-Sahlis.
DER SONNTAG ist die Wochenzeitung für die Ev.-luth. Landeskirche Sachsens. Online kann kostenlos ein Probeexemplar bestellt werden unter: www.sonntag-sachsen.de/kostenlose-probeausgabe/



