Netzwerk Kirchenreform - Thursday, 9. February 2012
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Die Seele der Dörfer bewahren

Über die Zukunft der Kirche auf dem Land

 

Dieses Interview ist am 30. Juni 2008 erschienen in:
DER SONNTAG. Wochenzeitung für die
Ev.-luth. Landeskirche Sachsens.

 

  

Die Kirche bleibt im ländlichen Raum. Dafür steht die Heimvolkshochschule Kohren-Sahlis – Evangelisches Zentrum Ländlicher Raum. Über die Zukunft der Kirche auf dem Land sprach Stefan Seidel mit dem Direktor Heiko Franke.

  

   

Seidel: Herr Dr. Franke, immer mehr Menschen ziehen weg vom Land, der Arbeit hinterher. Arztpraxen und Läden schließen. Wie steht es um die Kirche im ländlichen Raum?
Franke: Auf den ersten Blick ist es so, dass auch die Kirche geht. Pfarrämter schließen, Pfarrerstellen werden eingespart. Andererseits ist die evangelische Kirche noch flächendeckend mit gut ausgebildeten Mitarbeitern präsent. Wir versuchen, den ländlichen Raum keinesfalls aufzugeben. Denn die Mehrzahl der Kirchenglieder lebt hier.

 

Seidel: Die Kirche bleibt also im Dorf, trotz allem?
Franke: Ja, das ist für die Menschen in den Dörfern ganz wichtig, dass es ein Stück Kontinuität gibt. Wir können die ökonomischen und demografischen Entwicklungen nicht aufhalten. Aber wir können uns dafür einsetzen, dass die Dörfer trotz allem ihre Seele nicht verlieren. Dafür ist zum Beispiel die Kirchenerhaltung wichtig. Das Aufgeben von Kirchen kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, sollte aber die allerletzte Möglichkeit sein. Es geht um Traditionsbewahrung und -fortschreibung, um Heimat und Identität.

 

Seidel: Wie kann der Überlastung von Pfarrern in immer größer werdenden Zuständigkeitsgebieten entgegengewirkt werden?
Franke: Hier denke ich in erster Linie an die Mitarbeit Ehrenamtlicher, die keine Notlösung darstellt, sondern eine Bereicherung, auf die wir viel zu lange verzichtet haben. Deshalb ist es eine der Aufgaben in Kohren-Sahlis, Lektoren, Kirchenkuratoren und Kirchner auszubilden.

 

Seidel: Was sagen Sie zu der These: »Die Zukunft der Kirche liegt in der Stadt«?
Franke: Es ist falsch, solche Alternativen zwischen Stadt und Land aufzumachen. Kirche ist da, wo Menschen leben. Und auch auf dem Land leben Menschen, die nicht nur betreut werden möchten, sondern sich einbringen. Auch in der Politik setzt man nicht mehr länger nur auf »Leuchttürme«, also die Ballungszentren. Als Kirche sollten wir solche Einseitigkeiten erst recht vermeiden.

 

Seidel: Was bewegt Sie zum Jubiläum Ihrer Einrichtung?
Franke: Ich bin stolz und dankbar, dass es das Haus seit zehn Jahren gibt und wir uns als ein offener kirchlicher Ort in einer geistlich ausgedünnten Region etabliert haben. Wir möchten uns weiter den Themen widmen, die Kirche und ländlichen Raum verbinden.

  

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Dr. Heiko Franke ist Direktor der Evangelischen Heimvolkshochschule Kohren-Sahlis.

 

DER SONNTAG ist die Wochenzeitung für die Ev.-luth. Landeskirche Sachsens. Online kann kostenlos ein Probeexemplar bestellt werden unter: www.sonntag-sachsen.de/kostenlose-probeausgabe/