Wachsende Kirche

Ein Ermutigungsprojekt aus Württemberg

 

Pfarrerin Maike Sachs

Ein Beitrag von Pfarrerin Maike Sachs (Württemberg / Projekt "Wachsende Kirche") in "Kirchenreform strategisch!" zur Einstimmung auf den Kongress 2008: Wachsende Kirche.

   

1. Die Ausgangslage: Auch die württembergische Kirche schreibt kleinere Zahlen

   

Zwar bescheinigen die Zahlen aus dem EKD-Impulspapier „Kirche der Freiheit“ (S.21), dass es der württembergischen Landeskirche noch verhältnismäßig gut geht: bis zum Jahr 2030 wird die württembergische Kirche vermutlich 85 % ihres momentanen Bestandes wahren können – und doch müssen die Prognosen auch die Kirchen im Südwesten nachdenklich stimmen. Denn nicht etwa die Ausstrahlungskraft der württembergischen Gemeinden hält den Abbruch in erträglichen Grenzen sondern der Zuzug von Menschen aus anderen Bundesländern und damit Landeskirchen, die auf der Suche nach Arbeitsplätzen in den Süden kommen. Und so mögen gelegentlich wachsende Zahlen täuschen, sind doch Neuzugezogene nicht automatisch in der örtlichen Kirchengemeinde beheimatet sondern stellen eine neue Herausforderung dar in einer Zeit, in der die Finanzkraft abnimmt.

   

Vor Ort spürbar sind deshalb auch im Süden herbe Einschnitte in den landeskirchlichen Haushalt und damit in die Arbeit der Bezirke und Gemeinden, der Einrichtungen und Werke sowie in den Gebäudebestand. Auch in Württemberg werden Gemeindehäuser und Kirchen verkauft oder still gelegt, werden Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft geschlossen, fallen Pfarrstellen dem Sparzwang zum Opfer und werden Stellen von Diakonen nicht mehr besetzt. 

   
Umstrukturierungen und Einsparungen bestimmen die Tagesordnungen der Gremien, haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende fühlen sich überlastet von Arbeit, die sich auf immer weniger Schultern verteilt, begleitet von dem Wissen, Veränderungen wären dran, aber die Kraft dazu fehlt. Da ist die Resignation nicht fern. Um ihr zu wehren, wurde im Herbst 2004 das Projekt Wachsende Kirche beschlossen.

  

2. Ein Impuls wird aufgenommen – Die Auswirkungen der EKD-Synode 1999

   

Bereits seit 1993 hatte der Prozess „Notwendiger Wandel“ in der württembergischen Landeskirche wichtige Impulse und Leitlinien für Veränderungen gegeben, durch Erprobungsprojekte und den Gemeindeentwicklungskongress im Jahr 2003 Beispiele möglichen Wandels initiiert, dokumentiert und veröffentlicht.

Ein weiterer Impuls kam aus Leipzig von der Synode der EKD im Jahr 1999. In der Schlussdokumentation dieser Synode heißt es unter anderem: „Von dieser Tagung der Synode geht das Signal aus: Die evangelische Kirche setzt das Glaubensthema und den missionarischen Auftrag an die erste Stelle.“

Und so formulierten im Juni 2002 Mitglieder des Gesprächskreises Lebendige Gemeinde die Bitte, man möge Strategien und Konzepte erarbeiten mit dem Ziel, den derzeitigen Trend kleiner werdender Zahlen umzukehren, damit Gemeinden wieder wachsen. Es gelte ein Klima in der Kirche zu schaffen, im dem die Resignation überwunden und eine neue Aufbruchstimmung vermittelt wird.

 

Frucht dieses Antrags war der Schwerpunkttag „Wachsende Kirche“, den der Theologische Ausschuss für den 10. Juli 2004 inhaltlich und organisatorisch vorbereitete und zu dem in der Breite der Landeskirche eingeladen wurde.

Am Anfang des Tages stand ein festlicher Gottesdienst in der Stuttgarter Stiftskirche mit einer Bibelarbeit von Professor Hans-Joachim Eckstein, Tübingen: „Lasset uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen“ (Eph. 4, 15).

Das Bild der Gemeinde Jesu als Leib, das der Epheserbrief wählt, stand sehr bewusst am Anfang dieses Tages und Projektes, war es doch auch im Prozess Notwendiger Wandel leitend gewesen.

 

Am Tagungsort der Synode im Hospitalhof in Stuttgart fand der Schwerpunkttag seine Fortsetzung durch Informations- und Gesprächsangebote sowie zwei leitende Vorträge unter der Überschrift „Wachsende Kirche in Württemberg“, von Professor Michael Herbst, Greifswald, und Prälatin Gabriele Wulz, Ulm.

In seinem Schlusswort betonte Landesbischof Dr. Gerhard Maier, es gehe nicht um fertige Rezepte oder Machbarkeitsdenken, sondern um eine Bewusstseinsänderung von einer abwartenden Haltung zur Sehnsucht, dass wir als Kirche wachsen wollen.

 

In der folgenden Herbstsynode dann wurde die Einrichtung einer auf fünf Jahre begrenzten Projektstelle beschlossen mit der Aufgabe „bei der Vermittlung der sich aus der Synodaltagung „Wachsende Kirche“ ergebenden missionarischen Impulsen und solcher Projekte, die das Wachstum der Kirche fördern, an württembergische Kirchenbezirke und Gemeinden verantwortlich mitzuwirken, die Verknüpfung der beiden Prozesse „Wachsende Kirche“ und „Notwendiger Wandel“ mitzugestalten, die Geschäftsführung für die Vorbereitung eines Kongresses zum Thema „Wachsende Kirche“ zu übernehmen und sich an der Auswertung des Kongresses zu beteiligen.“

 

Die Vernetzung von Notwendigem Wandel (NW) und Wachsender Kirche (WK) wurde noch einmal deutlich in der Teilnahme beider Projektbeteiligter an der letzten Jahrestagung NW im Oktober 2004, bei der es zu einer Art „Stabübergabe“ kam. Gleichzeitig wurde die Verknüpfung institutionell im Gemeindedienst verankert, dem einerseits die Fortführung des NW durch eine Geschäftsstelle obliegt andererseits die Projektstelle WK selbst. Mitglieder der Steuerungsgruppe NW sind bis heute Mitglieder der Projektgruppe WK. So gehen Ressourcen an Wissen, Personal und Vernetzungen ein in ein Folgeprojekt mit neuen Schwerpunkten und gleichzeitig sehr ähnlichen Erfahrungen.

   

3. Erste Werbung in den Gemeinden – Das Gemeindeentwicklungsprojekt „Gemeinde kann wachsen“

   

Bereits bei der Schwerpunkttagung WK gab es am Stand der missionarischen Dienste eine Einladung an interessierte Gemeinden, sich an einem Gemeindeentwicklungsprojekt unter der Überschrift „Gemeinde kann wachsen“ zu beteiligen. 
Nachdem Mitarbeiter des württembergischen Gemeindedienstes an dem am Gemeindekolleg in Celle entworfenen Gemeindeentwicklungstraining GET I und II beteiligt gewesen waren, war die Anknüpfung durch GET III. in einer aufs Thema Wachsen zugeschnittenen Form nahe liegend.

   
Das Echo auf die Einladung zur Beteiligung war zunächst recht groß. Etwa 40 Kirchengemeinden signalisierten Interesse und fragten nach weiteren Informationen. Sie alle wurden zu einem Informationstag im Januar 2005 nach Stuttgart eingeladen. Der Tag diente der Klärung auf beiden Seiten. Das Angebot des Entwicklungsprozesses konnte genauer erläutert werden und die vertretenen Mitglieder der Gemeindeleitungen konnten sich klar darüber werden, ob ein grundlegender Entwicklungsprozess oder die Beratung zu Einzelfragen (Aufbau eines Besuchsdienstes, Konfliktberatung) für sie in Frage komme. Am Ende fanden sich fünf Kirchengemeinden für einen begleiteten Prozess bereit und wurden im Laufe des Jahres 2005 / 2006 an drei Studientagen geschult. Die Themen, in die sie eingeführt wurden, waren Gemeindeerkundung, Perspektiventwicklung und Projektdurchführung. Seitdem wird vor Ort an konkreten Vorhaben gearbeitet, jeweils begleitet von einem externen Berater, dessen Kosten das Projekt WK trägt.

   
Schon jetzt wird deutlich, wie vielfältig eine wachsende Kirche sein kann. Zum Beispiel gehört zum Wachsen eine gute und gesunde gemeinsame Basis der Zusammenarbeit, so dass das Zusammenwachsen an erster Stelle stehen muss. Oder - was kann es heißen durch Reduzierung örtlicher Angebote und Schwerpunktsetzung in den Teilgemeinden einer größeren Stadt wachsen zu wollen? Anders gesagt: wie können Umstrukturierungen durch Sparzwänge vorhandene Kräfte stärken, die sonst im Vielerlei des Gemeindealltags verpuffen?
Deutlich wird auch, wie nötig die Gemeinden einer sich verändernden Kirche Begleitung und Ermutigung von außen brauchen. Die Stärkung der Gemeindeberatung im Laufe des Prozesses NW bestätigt sich als ein richtiger Weg. Kirchengemeinden vor Ort sind ausgesprochen individuell strukturiert und müssen deshalb ermutigt werden zu kleinen Schritten gemäß ihren ganz eigenen Ressourcen für einen ganz einzigartigen Weg. Nichts nimmt dem Wachsen mehr Kraft als der Eindruck: die guten Modelle funktionieren nur bei den anderen. Lernen voneinander Ja, unkommentiert kopieren Nein. Das Erkennen eigener Kapazitäten, das Umformen guter Erfahrungen und Impulse anderer, das Umsetzen in die ganz eigenen Form, die vor Ort auch passt und motiviert, dazu kann Beratung helfen.

   

4. Die Projektstruktur klärt sich – Formulierung und Veröffentlichung der Ziele

  

Bei der Tagung der Landessynode im Herbst 2004 wurde das Projekt WK beschlossen.

Seit Juli desselben Jahres bereits tagte eine Ideengruppe aus Mitgliedern des Oberkirchenrates und des Gemeindedienstes, die sich mit den Fragen nach Zielen, Maßnahmen und Wegen eines möglichen Projektes WK befasste.

Aus der Ideengruppe heraus formierte sich nach dem endgültigen Beschluss in der Synode eine Projektgruppe, die sich im Abstand von ein bis zwei Monaten trifft. Der Projektgruppe obliegt es, die Arbeit der Projektstelle thematisch und operativ zu begleiten sowie Vernetzungen zu ermöglichen.

Während die Projektsstelle im Gemeindedienst beim Amt für missionarische Dienste eingerichtet wurde, verbindet die Projektgruppe das Projekt WK mit der Kirchenleitung. Die Gesamtarbeit überwacht eine Steuerungsgruppe, deren Mitglieder direkt vom Oberkirchenrat berufen wurden.

 

Der erste zentrale Arbeitsschritt der Projektgruppe war die Formulierung der Projektziele, die schließlich im September 2005 verabschiedet und im April 2006 allen Pfarrämter und Einrichtungen der Landeskirche zugesandt wurden.

Und so wurden die Ziele formuliert:

Ziel des Projektes Wachsende Kirche (WK) ist es, den Glauben und die Zuversicht in den Gemeinden und Einrichtungen unserer Landeskirche zu fördern. WK soll Anstöße geben, wie Kirche wachsen kann in einer Gesellschaft, in der das Erwachen von Religiosität und Sinnsuche zu beobachten ist, trotz eines spürbaren Rückgangs an Mitgliedern, Mitteln und Ansehen.

Dazu gehört

  • ein biblisch fundiertes Selbstbewusstsein in den Gemeinden und Einrichtungen unserer Kirche zu stärken.

  • das Wachstum der Kirche in ihrer Gestalt als Volkskirche zu fördern.

 

Verbunden mit der Veröffentlichung der Ziele war ein Begleitschreiben, mit der Bitte, bewährte Modelle des Wachsens in der Kirche zu beschreiben bzw. um Begleitung oder Vernetzung in einem Veränderungsprozess zu bitten.

 

Nur zögerlich wurde von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, so dass mancher Kritiker von WK die Frage stellte, ob der Zeitpunkt für ein weiteres Projekt nach Notwendigem Wandel, der Einführung von Personalentwicklungsgesprächen und erneuerter Haushaltordnung (Wirtschaftlichem Handeln) richtig gewählt worden sei.

Ist womöglich eine gewisse „Projektmüdigkeit“ im Land eingekehrt? Sind die Anforderungen der Sparzwänge und die daraus folgenden Umstrukturierungen gerade nicht der richtige Hintergrund, um über WK nachzudenken?

 

Dem ist zu entgegnen: WK will gerade nicht als Anordnung von oben verstanden werden. Das Wachsen einer Kirche kann gerade nicht beraten und beschlossen werden, aber es kann erkannt und bestärkt werden, wo es bereits geschieht.

Andererseits gilt: Veränderungen stehen an und deshalb ist es notwendig, sich langfristig über das Zukunftsbild der Kirche klar zu werden, heute schon Schwerpunkte zu setzen und die Glieder dieser Kirche, vor allem aber ihre Mitarbeitenden auf die Veränderungen vorzubereiten. Dass diese Veränderungen aber nicht vor dem Horizont einer Untergangsstimmung sondern in Zuversicht und Glaube anpackt werden können, das soll die Botschaft von WK sein.

 

Gleichzeitig ergeben sich verschiedentlich Vernetzungsmöglichkeiten von WK mit den übrigen landeskirchlichen Projekten: ein Personalentwicklungsgespräch kann helfen, das Werden und Wachsen durch das Engagement eines Mitarbeiters wahrzunehmen und dadurch zu ermutigen; ein Baustein des neuen Haushaltsplanes kann durch ein Modell wachsender Kirche eine neue Facette bekommen; das in den vergangenen Jahren entwickelte Training für Moderatoren in den Veränderungsprozesse bietet wertvolle Arbeitsmethoden zur Begleitung von Gemeindeleitungsgremien. Eine Vernetzungsgruppe trifft sich in lockeren Abständen im Oberkircherat um Verbindungslinien zu knüpfen und zu gestalten.

 

Trotz zögerlicher Rückmeldungen aus den Gemeinden wurde mit dem Aufbau einer Internetseite begonnen. Sie dient unter anderem dem, dass in Württemberg erprobte Modelle wachsender Kirche sowie die erprobten Projekte und Angebote der landeskirchlichen Werke einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Bitte, Möglichkeiten des Lernens voneinander zu schaffen, wird immer wieder geäußert. Ihr soll heute durch den Internetauftritt, im Jahr 2008 durch den Kongress und in der Zukunft durch Arbeitshilfen für die Gemeindearbeit nachgekommen werden.

   

5. Erste Zielgruppe: die Kirchengemeinden und Kirchenbezirke – Die thematische Arbeit

   

So viel Skepsis dem Projekt WK entgegengebracht wird, so viel Interesse weckt das Thema sei es in hoffnungsvoller Erwartung oder auch kritischer Distanz. 
Das Interesse spiegelt sich in Einladungen zur Vorstellung des Projektes WK bei Veranstaltungen oder Tagungen auf Gemeinde-, Bezirks- oder landeskirchlicher Ebene (Mitarbeiterabende, Klausurtagungen von Kirchengemeinderäten, bei kirchlich-theologischen Arbeitsgemeinschaften, Pfarrkonventen, Bezirkssynoden). 

Dabei kann es gar nicht so sehr um die Vorstellung des landeskirchlichen Projektes an sich gehen, da das Projekt gerade ohne Vorgaben auskommen will, sondern sich zum Ziel gesetzt hat, Bewegung an der Basis zu fordern, zu fördern und zu unterstützen. Auf lebhaftes Interesse allerdings stößt die Vermittlung seines Anliegens, also die Stärkung „eines biblisch fundierten Selbstbewusstseins“, die Ermutigung zum Vertrauen in Gottes Wirken und Verheißungen, die Vermittlung von Impulsen und Ideen für eine Kirche, die auch in Zukunft wächst, der Blick in die Trends der heutigen Zeit, die Wahrnehmung von Kirchenmitgliedern und Nicht-Kirchenmitgliedern in der Unterschiedlichkeit ihres Lebensentwurfs, das alles sind spannende Themen, die Interesse finden und zur Auseinandersetzung anregen.


Beobachtungen, die dabei gemacht werden: 

  • Das Thema ist dran und bewegt viele – trotz oder gerade in einer Zeit großer Veränderungen.
  • Die Belastungen für die Mitarbeitenden in den Gemeinden sind unglaublich hoch, die Spannung, Bestehendes zu bewahren und gleichzeitig Veränderungen zu wagen, lässt sich nur durch eine zuversichtliche Haltung meistern.
  • WK möchte eine Bewegung von unten nach oben sein, muss aber auch notwendigerweise eine Bewegung von innen nach außen werden. Am Anfang muss eine in seinen Formen vielgestaltiger Mentalitätswandel stehen wie z.B. beim Verhältnis der Mitarbeitenden untereinander, dem Stellenwert des Ehrenamtes bis hin zur Wahrnehmung der Herausforderungen unserer Zeit durch die Gemeinden.

     

6. Erste Fäden für Erprobungen und Projekte – Die theologische Konsultation am 22. Juli 2006

    

Unabhängig von den Anfragen aus den Gemeinden bzw. an die Gemeinden hatte sich die Projektgruppe bereits Ende vergangenen Jahres fünf Schwerpunktthemen gestellt, und damit fünf Felder abgesteckt, auf denen Erprobungen möglich sind. 
Die Schwerpunktthemen lauten:

  • Die Frage: Wie kommen Erwachsene heute zum Glauben?
  • Der Wiedereintritt in die Kirche
  • Glauben einüben durch Bibellesen
  • Der Hauptgottesdienst am Sonntag
  • Schule als Lebens- und Glaubensraum.

Zu diesen Themen fand am 22.Juli 2006 eine Konsultation in Stuttgart statt, zu der in allen Kirchengemeinden und Einrichtungen der Landeskirche eingeladen wurde. 
Nach zögerlichem Start fanden sich schließlich ca. 60 Teilnehmer, überwiegend Kirchengemeinderätinnen und Kirchengemeinderäte, zu zwei Impulsreferaten und fünf Workshops ein. Das größte Interesse fand der Workshop zum Thema, wie Erwachsene heute zum Glauben kommen, dann die Frage nach der Gestaltung des Hauptgottesdienstes, zu der bereits Erprobungen in zwei Gemeinden gestartet wurden.


Zur Frage, wie Erwachsene heute zum Glauben kommen, startet im Januar 2008 eine wissenschaftliche Untersuchung durch das Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung in Greifswald. Nach einer Vorstudie in zwei Bezirken der württembergischen Kirche, deren Ergebnisse bereits für den Kongress im April ausgewertet werden sollen, wird die Hauptuntersuchung neben der württembergischen auch in der mecklenburgischen, sächsischen und rheinischen Landeskirche durchgeführt. Dabei geht es um die Frage, welche Faktoren das Aufblühen von Glaubensbiographien unterstützt haben und was die Kirche für ihr Handeln daraus lernen kann.
   

7. Öffnung des Projektes hin zu Einrichtungen und Werken der Landeskirche – Start der Kongressvorbereitung

   

Seit Juni 2006 trifft sich die Initiativgruppe Kongress WK. Beteiligt sind Vertreter aus unterschiedlichen Fachbereichen des Gemeindedienstes (Männerwerk, Gemeindeberatung und Begleitung von Kirchengemeinderatsgremien), dann Vertreter der Erwachsenenbildung, des Diakonischen Werkes, der Frauenarbeit, dem Pfarrseminar und dem Pädagogisch-Theologischen Zentrum, dem Jugendwerk, aus der Akademiearbeit und der Ausbildung von neben- und ehrenamtlich in der Kirche Tätigen. Inzwischen ist die Gruppe noch um die Bereiche Kirchenmusik und äußere Mission ergänzt.
Die Vorbereitung des Kongresses bietet die Möglichkeit, WK in der Breite der Landeskirche zu verankern. Die Mitarbeitenden der Kongressvorbereitung erarbeiten gemeinsam die Programmstruktur, sind eingeladen eigene Erprobungen sowie erprobte Projekte einzubringen und eröffnen erneut die Möglichkeit, der Sehnsucht zu wachsen, in neuer Gestalt Form zu geben. 

   
Der Kongress Wachsende Kirche wird am 11.-12. April 2008 in Stuttgart im Kongresszentrum Liederhalle stattfinden und ist vorrangig als Impuls für die im November 2007 neu gewählten Kirchengemeinderatsgremien gedacht.

  

8. Ziele – Meilensteine bis 2009

   

Eines der bereits im Projektauftrag genannten Ziele ist der Aufbau eines Netzes von Ansprechpartnern in den Bezirken als Multiplikatoren für WK. Die konkrete Umsetzung des Auftrags wird nach dem Kongress geprüft werden.

Langfristig und in Anlehnung an die Praxisimpulse des Notwendigen Wandels ist daran gedacht, Arbeitshilfen zu unterschiedlichen Feldern kirchlichen Handelns herauszugeben. Eine Handreichung für eine missionarische Seniorenarbeit liegt bereits vor und ist im Internet abrufbar.
Gezielt sollen die Impulse für die kirchliche Arbeit, die sich aus dem Projekt WK ergeben, für die bereits eingeführten Veränderungsprojekte Personalentwicklung und Chancengleichheit, Wirtschaftliches Handeln sowie die erneuerte Visitationsordnung nutzbar gemacht werden. Und schließlich ist zu prüfen, inwiefern WK Auswirkungen auf die Aus- und Fortbildung der haupt-, neben- und ehrenamtlich Mitarbeitenden haben kann.

   

Kongress "Wachsende Kirche"

Schon heute ist ersichtlich, dass WK weder mit dem Kongress im Jahr 2008 noch mit seiner Auswertung abgeschlossen sein kann. Viele Anstöße sind gegeben worden und warten noch auf die Umsetzung; Gemeinden, Distrikte und Bezirke haben sich auf den Weg gemacht; ihre Erfahrungen werden neues Interesse wecken und andere ermutigen aufzubrechen. WK gleicht eher einer Handvoll Steine, die ins Wasser geworfen einen stetig wachsenden Ring von Kreisen auf der Oberfläche auslösen. Diese Bewegungen zu sammeln, zu multiplizieren und für das Ganze einer Kirche auszuwerten, wird auch in Zukunft eine wichtige und schöne Aufgabe sein.

  

Weiterführende Informationen unter www.wachsendekirche.de.

  

Wachsende Kirche. Ein Ermutigungsprojekt aus Württemberg - Ein Artikel von Pfarrerin Maike Sachs (Württemberg) in "Kirchenreform strategisch!"

(überarbeitete und aktualisierte Fassung vom 6.2.08)

   

Die Autorin: Maike Sachs, Pfarrerin der württembergischen Landeskirche, seit 2002 wieder im Dienst als theologische Referentin beim Amt für missionarische Dienste in Stuttgart. Sie ist seit Herbst 2004 mit dem landeskirchlichen Projekt "Wachsende Kirche" betraut.

   

Projekt "Wachsende Kirche": www.wachsendekirche.de

Projekt "Notwendiger Wandel": www.datenbankkirchenreform.de/notwendiger_wandel.html

Kopfbild: DoRe / www.pixelio.de

Foto: Maike Sachs .